Gefährlicher als gedacht – die „Kehrseite“ vom Rodelspaß

14 Unfälle pro Tag. Schwere Kopfverletzungen. Am häufigsten Kinder betroffen.

Der vermeintlich kinderleichte Wintersport birgt ernste Risiken: Laut der KFV-Unfallstatistik IDB-Austria verletzen sich beim Rodeln jährlich im Schnitt rund 2.100 Personen so schwer, dass sie im Spital behandelt werden müssen. Die Rodelsaison dauert in Österreich – je nach Region – ungefähr von November bis März. In diesen Monaten ereignen sich durchschnittlich rund 14 Rodelunfälle pro Tag. Besonders häufig sind Kinder betroffen: 31 Prozent der Verletzten sind unter 15 Jahre alt. In der aktuellen Rodelsaison ist bisher mindestens ein Mensch ums Leben gekommen (Stand: 2. Februar 2026).

„In den Semesterferien ist auf den Rodelbahnen besonders viel los“, warnt Johanna Trauner-Karner, Leiterin des KFV-Fachbereichs Sport- und Freizeitsicherheit. „Achten Sie darauf, dass Sie und Ihre Kinder einen Helm tragen, wählen Sie Tempo und Strecke nach Können und Schnee aus. Bremsen Sie lieber einmal zu früh als zu spät.“

Übermut und Selbstüberschätzung sind häufige Ursachen: 61 Prozent der Betroffenen stürzen, stolpern, stoßen oder springen. 26 Prozent kollidieren mit statischen Objekten wie Bäumen oder Tafeln, 8 Prozent erleiden Kopfverletzungen – oft Schädel-Hirn-Traumata.



Helme bieten Schutz

Crash-Simulationen zeigen, dass bei Unfällen mit Kindern ohne Helm bereits ab einer Fahrtgeschwindigkeit von rund 10 km/h ein erhebliches Risiko für schwere Kopfverletzungen besteht. Allerdings schützt ein Helm nicht in jeder Situation. Gemäß den entsprechenden Normen wird er nur für Aufprallgeschwindigkeiten von etwa 20 bis 25 km/h geprüft. Wer noch schneller fährt, trägt daher ein entsprechend hohes Risiko für schwere oder tödliche Verletzungen.

Bremsen mit der kompletten Fußsohle

Wie beim Skifahren können auch beim Rodeln sehr hohe Geschwindigkeiten von etwa 30 km/h sowie Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 60 km/h erreicht werden. Ist die Rodelbahn hart und eisig, kann man mit normalen Winterschuhen – trotz richtiger Bremstechnik und gutem Profil – die Rodel nur sehr schwer abbremsen. Schnelle, unkontrollierte Abfahrten und lange Bremswege sind die Folge. Für kontrolliertes Bremsen sollte im Sitzen der Fuß mit der kompletten Fußsohle dicht neben den Kufen auf die Bahn gesetzt werden. Noch besser gelingt das Abbremsen mit Spikes an den Schuhen, da sie auf Eis deutlich mehr Halt bieten.

Eltern als „Aufprallschutz“ für Kinder

Auch die Sitzposition beeinflusst das Verletzungsrisiko, wenn Kinder gemeinsam mit Erwachsenen rodeln: Crashtests des KFV und der TU Graz zeigen, dass das Risiko für Kinder deutlich geringer ist, wenn sie hinter dem Erwachsenen sitzen. „Sitzt das Kind hinten, wirkt der Rücken der erwachsenen Person wie ein zusätzlicher Aufprallschutz – und ist naturgemäß nachgiebiger als beispielsweise ein Baum oder eine Liftsäule“, erklärt die Expertin.

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