Siegt die Frechheit?

„Finanzierungsluftballon“ der Präsidenten Jauk (Sturm) und Ziesler (GAK)

Die beiden Clubs würden gemeinsam 20 Millionen Euro für den Umbau/Erneuerung des Stadion Liebenau beitragen, erklärten die beiden Präsidenten Christian Jauk (Sturm) und René Ziesler (GAK) heute bei einer beinahe überfallsartig einberufenen Pressekonferenz im Medienzentrum in Graz.

Ihren Vorstellungen zufolge, salopp formuliert ein „Finanzierungsluftballon“, soll der Ausbau des Stadions nicht 150 Millionen Euro kosten, sondern auch nur mit 95 Millionen machbar sein. Die Voraussetzung oder auch Bedingung des 20-Millionen-Beitrags der beiden Klubs: Die Stadt Graz und das Land Steiermark müssten dann die restlichen 75 Millionen Euro beisteuern. Und: Die Klubs forden in diesem Fall auch das Baurecht von der Stadt als künftige Betreiber für das Stadion ein. Frei nach dem Motto: Wir steuern schon etwas dazu bei, übernehmen auch in Zukunft die Betriebskosten dafür. Aber ihr müsst uns eine Villa und einen Rolls-Royce dafür hinstellen. Die dann uns gehören.

Für ihn sei das eine Frechheit und Unverschämtheit, drückt sich Ex-99ers-Präsident Jochen Pildner-Steinburg wie gewohnt sehr pointiert zu diesem Modell aus. Zuerst gehe es darum, dass rund 75 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln investiert werden in das Stadion Liebenau (gehört ja bisher der Stadt Graz), welches dann durch die gemeinsame Betreibergesellschaft von Sturm und GAK übernommen, also privatisiert werden soll. „Und das noch dazu in einer Zeit mit ganz großen Budgetproblemen.“

Auch die spontane Reaktion von Ex-Sturm-Präsident Hannes Kartnig – am Telefon von KLIPP dazu befragt – befeuert sicher die laufende Debatte: „Da sind einige Größenwahnsinnige unterwegs.“ Wobei Sturm rein von den Finanzen her in der Lage sei, einen Millionenbeitrag zu leisten. Aber beim GAK – woher soll das Geld kommen, die rhetorische Frage von Kartnig.

Eine KLIPP-Ergänzung zur Thematik Stadion-Liebenau-Ausbau

Erst vor wenigen Monaten präsentierten Sturm-Präsident Jauk und Co. mit dem Spatenstich die künftige Trainingsanlage für Jugend, Akademie und den Damenfußball. Die Kosten dafür: 16 Millionen Euro. Und jetzt kommt’s: Rund 8 Millionen schießen dafür die Stadt Graz und das Land Steiermark zu. Also die Hälfte der Gesamtkosten! Schon das millionenteure Trainingszentrum in Messendorf finanzierten seinerzeit hauptsächlich ebenfalls Land und Stadt.



Erlaubte Frage am Rande:
Wie viele Spieler der Kampfmannschaft in der Bundesliga kamen in den letzten Jahren aus dem Sturm-Nachwuchs zum Einsatz? Den größten Anteil stellen Legionäre, zusammen gekauft in ganz Europa. Es wäre auch interessant zu erfahren, wie viele bei Sturm oder GAK ausgebildete Spieler in Europa engagiert wurden und in einer späteren Phase wieder zu ihren Ausbildungsklubs zurückgekehrt sind, um dort ihre Stammklubs zu verstärken.

Da wird in den öffentlichen Budgets um jede Klopapierrolle für Schulen gefeilscht und andere Kleinigkeiten. Und da gibt es Reaktionen auf den Auftritt von Jauk und Ziesler von Politikern, die sich erfreut darüber zeigen, dass private Fußballvereine, die Millionengagen an ihre Spieler zahlen, bereit sind, zum Ausbau des Stadions, in dem sie spielen wollen, auch gemeinsam einen Beitrag leisten möchten.

Das wäre etwa so, wie wenn ein privater Unternehmer sich die Fertigungshallen für seine Firma mit öffentlichen Mitteln errichten lässt und dann bereit wäre, dort auf seine Kosten zu produzieren. Eine für wahr großzügige Geste, die einen Dankgottesdienst wert ist.

Die Fußballherrschaften Christian Jauk, René Ziesler und Kollegen stehen mit beiden Beinen fest in der Luft.

Übrigens: Wer kommt überhaupt bei den Top-Spielen für die gewaltigen Kosten des Sicherheitsaufwands außerhalb des Stadions auf? Da sind Dutzendschaften von Polizei im Einsatz, mit Fahrzeugen und was sonst noch nötig ist. Der verursachte Aufwand dafür beträgt jedes Mal zigtausende Euro. Und wer bezahlt den und allfällige Schäden der Fans? Bingo, natürlich die öffentliche Hand. Millionen aus dem Steuertopf.

JL


Kommentare und Antworten

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Bemerkungen :

  • user
    ÖkRat Alois Kowald January 16, 2026 um 8:49 pm
    Sehr richtige Betrachtungsweise vom Klipp-Magazin. Ich bin auch Besucher in Liebenau und zahle ganz normal natürlich das Ticket. leider werden überwiegend ausländische "Stars" hoch und höchstbezahlt. Warum sollen alle Steuerzahler für ca. 6.000 bis vielleicht 20.000 gelegentliche Fußballfans den Großteil der Errichtungskosten übernehmen ? Nicht die Politik ist gefordert, sondern in erster Linie die Fußballbranxhe selbst, oder nicht ?
  • user
    Ali January 14, 2026 um 9:11 pm
    Wahre Worte, die man selten liest.
    Vielen Dank dafür!