Leider daneben

Kommentar

Es war klar, dass Thomas Schmid nach seinem Geständnis bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Graz und der Hoffnung auf die Kronzeugenregelung gestern vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss sich sehr wortkarg gab.

Ich bin überzeugt, dass Hubert Patterer (Chefredakteur „Kleine Zeitung“) ein bemühter und erfahrener Vertreter der Journalisten-Zunft ist. Aber alle, mich eingeschlossen, sind wir subjektiv. In der Corona-Krise zeigte sich die Regierung Kurz besonders großzügig mit Millionen Unterstützungen gegenüber großen Tageszeitungen und teuren Inseraten-Kampagnen. Der Styria Media Group gehören mit „Presse“ und „Kleine Zeitung“ zwei davon, aber auch noch etliche Gratis-Zeitungen.

Warum dieser Vorspann? In der Diskussion um den Kronzeugenstatus von Sebastian-Kurz-Intimus Thomas Schmid und dessen Geständnis bei der WKStA schreibt Hubert Patterer, ein solcher widerspräche JEDEM Rechtsempfinden, statt relativierend „seinem Rechtsempfinden“. Und das Bewusstsein bestimmt bekanntlich den Standpunkt. Weil halt einer, mit dem er „bestens konnte“ und einige andere, mit denen er auch auf Du und Du ist, möglicherweise irgendwann auf der Anklagebank des Strafgerichts Platz nehmen müssen.

Ja, es ist richtig, dass die Kronzeugenregelung ein heikles Instrument der Justiz ist, das man auch total ablehnen kann. Doch das tut Patterer ja nicht. Er biegt in dieser Sache nur falsch ab. Besser gesagt, er vergaloppiert sich. Wenn ein „Prätorianer“ (O-Ton Schmid) des Kaisers, noch dazu einer der engsten Freunde von Sebastian Kurz durch seinen „Verrat“ – Geständnis, Lebensbeichte, wie immer man das nennen mag – plötzlich Einblicke gewährt, mit welchen Tricks und Methoden er und Kurz die Wähler, also uns alle, hinters Licht geführt hat, Steuergeld missbräuchlich verwenden ließ und andere Dinge mehr, dann rechtfertigen diese Enthüllungen den Kronzeugenstatus. Sind sie doch gleichsam der lang gesuchte „rauchende Colt“, das letzte fehlende Beweisstück in einer langen Indizienkette. Entscheidend: Schmid bleibt aber auch als Kronzeuge Beschuldigter.

Ob es Schmids Mutter war, die an ihn appellierte: „Wir haben dich so erzogen, dass du unrechte Dinge zugeben musst, dazu stehen musst, wenn du sie getan hast.“ Niemand außer Schmid und seiner Mutter weiß das. Aber bewiesen und fest steht: Schmid gehörte als Freund zu den wichtigsten "Personenschützern" von Kurz.  Er hat über Jahre hinweg den politischen Aufstieg von Sebastian Kurz mitgestaltet, geschützt, gefördert und dessen Machtübernahme in der ÖVP erst ermöglicht.

Erst als Kurz Thomas Schmid drängte, nach der Veröffentlichung der Chats und Enthüllung der kriminellen Handlungen in seiner Regierung, dieser möge alles auf sich nehmen, wandelte er sich vom Saulus zum Paulus. „Groß inszeniertes Theater, aber ohne Empathie“, hatte Ex-Neos-Chef Strolz schon früh die Auftritte und den Stil von Sebastian Kurz beschrieben. Es ginge diesem nur um die (persönliche) Macht, nicht um die ÖVP, nicht um die Republik und schon gar nicht um die Menschen. Und Schmid ist einer davon.

Die Vorwürfe der WKStA vom Amtsmissbrauch, dem Verbrechen der Untreue, den Falschaussagen vor dem Parlament, der Bestechlichkeit lesen sich wie Regierungskriminalität im Mafiosi-Stil.

Es ist subjektiv verständlich, dass Hubert Patterer einen Millionen geldgebenden „good guy“ und stets freundlichen und höflichen Sebastian Kurz – und Sebastian Kurz war offensichtlich ein solcher für ihn und die Media Group – nicht auf der Anklagebank im Schwurgerichtssaal des Straflandesgerichts Wien sitzen sehen möchte. Diese Vorstellung löst bei ihm sicher Unbehagen aus. Persönliche Enttäuschungen sind nun einmal schwer zu verkraften.

Zu Patterers „Ehrenrettung“: In der selben Ausgabe der „Kleinen Zeitung“ plädiert ein ihm untergebener Kollege – wenn auch mit etlichen Wenn und Abers – für den Kronzeugenstatus von Thomas Schmid.

Jürgen Lehner

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Bemerkungen :

  • user
    Maximilian Rombold December 16, 2022 um 4:39 pm
    Ich kenne keinen Kabarettisten namens Christian Scheuber, sondern nur einen Florian Scheuba. Bitte a bisserl genauer recherchieren.

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