„Pflege in Gefahr – Hände weg vom Personalschlüssel“

Seit Wochen formiert sich in der Steiermark breiter Widerstand gegen die Pläne der FPÖ-ÖVP-Landesregierung, den Pflegepersonalschlüssel in steirischen Heimen abzusenken. Der aktuelle Stand der Dinge.

Der Pflegepersonalschlüssel legt fest, wie viele Pflegekräfte auf wie viele Bewohner kommen. Bereits jetzt liegt dieser in der Steiermark deutlich unter anderen Bundesländern, insbesondere verglichen mit Wien.

Die Petition der steirischen KPÖ „Pflege in Gefahr – Hände weg vom steirischen Pflegeschlüssel“ gegen die drohende Verschlechterung zählt mittlerweile über 9.600 Unterschriften und mehr als 4.800 Kommentare.

Was eine Verschlechterung des Personalschlüssels für den Pflegealltag bedeuten würde, erklärt Diplomkrankenpfleger Wolfgang Schwab im Gespräch mit der „Steirischen Volksstimme“.

Wie sieht die aktuelle Situation in steirischen Pflegeheimen aus? Wo gibt es schon jetzt Herausforderungen?
Schwab: Der steirische Personalschlüssel ist 30 % unter dem, was wir tatsächlich an Personal brauchen. Leider werden die häufiger werdenden Fehlzeiten, Krankenstände und die hohe Fluktuation nicht berücksichtigt, bzw. nicht einmal zentral erhoben.

In welchen Bereichen ist der Pflegealltag besonders dramatisch?
In gemeinnützigen und öffentlichen Einrichtungen ist die Lage entspannter, weil es dort keinen Druck gibt, für Investoren Gewinne zu erwirtschaften. Besonders dramatisch ist die Lage im Nachtdienst in großen Häusern. Es fehlt hier bis heute eine Regelung durch eine Verordnung. Hier können nur zwei Pflegekräfte auf 100 Bewohner eingesetzt werden.

Was hat es mit dem Pflegepersonalschlüssel auf sich und welche konkreten Auswirkungen hätte eine Absenkung?
Der Schlüssel bestimmt die Anzahl der notwendigen Pflegekräfte, je nach Höhe der Pflegestufen. Das Berechnungssystem ist völlig veraltet und deutlich unter dem notwendigen Personaleinsatz. Eine Absenkung hätte direkte Auswirkungen auf die Betreuungszeit der Menschen.

Welche Maßnahmen müsste die Landesregierung setzen, um die Situation zu verbessern, anstatt sie weiter zu verschärfen? Was müsste ein „Masterplan Pflege“ eigentlich inkludieren?
Wir müssen von eine reinen Budgetdebatte hin zur Frage, welche Pflege und Betreuungsqualität wir uns als Gesellschaft leisten möchten. Wir müssen Zahlen, Daten, Fakten schaffen, allen voran die Fluktuationszahlen beim Pflegepersonal seriös ermitteln und dann entscheiden, was wir finanzieren können und wollen und was nicht. Derzeit wird der „golden standard“ vom Pflegepersonal verlangt, ohne die Ressourcen dafür zu stellen. Pflegekräfte stehen so jeden Tag vor dem Dilemma: Berufsethos gegen Realität.

Quelle: „Steirische Volksstimme“ 1/2026

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