Steirischer Fürst als „Filmheld“

Tochter Lila gab ihm die Hauptrolle

Seine Tochter Lila Schwarzenberg hat einen sehr persönlichen Film über ihren Vater Karel gedreht: „Mein Vater, der Fürst“, der anlässlich seines 85. Geburtstags im Urania-Kino in Wien seine Premiere hatte. Es ist gar und gar nicht ein salbungsvolles Porträt. Fünf Jahre lang hat sie daran gearbeitet, um den Vater in den verschiedenen Besitzungen im Wiener und im Prager Palais, im steirischen Schloss in Murau, in der südböhmischen Burg Orlik zu zeigen und mit ihm über Adel, Politik und Tradition versucht zu reden. Doch er blockt, so die Tochter, alle Versuche ab, hinter die Fassade blicken zu können. Er wäre immer sehr streng gewesen, erklärt sie im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Sie denke schon, dass ihr Vater innige Beziehungen zulasse, „aber zu den Personen gehöre ich nicht“.

Als Kind habe sie immer irrsinnige Angst vor ihrem Vater gehabt. „Es war so schwierig mit ihm zu sein“, so vermied sie den Kontakt. Lila Schwarzenberg rebellierte, rutschte in die Drogenszene ab, verscherbelte fürs Koksen altes Familiensilber. Als sie ihrem Vater schließlich ihre hilflose Lage schilderte, packt sie dieser ohne den geringsten Vorwurf ins Auto und liefert sie in einem Erziehungssanatorium ab. Über solche Dinge macht der Fürst keine großen Worte. Es scheint ihm eine Selbstverständlichkeit zu sein.

Die Schwarzenbergs haben ihren österreichischen Familiensitz im Schloss Murau. Karel war schon immer ein kauziger Typ. „Ich bin nur Forst- und Gastwirt“, lautet seine Selbstdefinition. Vor der Wende, dem Fall des Eisernen Vorhangs, engagierte er sich für die ÖVP, war ganz eng mit Landeshauptmann Josef Krainer und meinte, man sei auf der Welt nicht um glücklich zu sein, sondern um seine Pflicht zu erfüllen.

Der Film gleicht einer historischen Homestory, wandert doch die Tochter mit dem Vater durch die fürstlichen Besitzungen. Auf der Burg Orlik, die aus dem 13. Jahrhundert stammt, zeigt der Film die Sammlung von Jagdflinten, Geschenken von Metternich, Napoleon, dem Zaren. „Wir sind Dinosaurier und aus diesem Gefängnis kann ich mich nicht davon stehlen“, beschreibt er seine aristokratische Demut. Seinen republikanischen Geist zeigte er aber schon Mitte der 1970er-Jahre, als er mit Erhard Busek enge Kontakte in die CSSR zur dissidenten Gruppe 77 um Vaclav Havel knüpfte.

Sein höchstes Glücksgefühl erlebte er, als ihn nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Vaclav Havel zu seinem Kanzler machte. Schwarzenberg: „Die schönste Zeit in meinem Leben.“

Fürst Karl Schwarzenberg wurde zu einer der schillerndsten politischen Persönlichkeiten des neuen Europa. Als Außenminister der Tschechischen Republik, Gründer der liberalen Partei Top 09 und als Präsident der Helsinki-Föderation.

Joachim Riedl schreibt in der „Zeit“: Der schönste Moment in der Umbruchszeit muss wohl der Tag gewesen sein, als er anlässlich seiner Rückkehr in den Familiensitz die lokalen Bewohner in den Dorfgasthof von Orlik – in Südböhmen liegt die Burg – einlud. Der Schweinsbraten dampfte, das Bier floss, die Blasmusik spielte auf. Da sei dem Globetrotter bewusst geworden, was der Begriff Heimat bedeute. Nach mehr als 40 Jahren in der Emigration sei er „hier als Hiesiger aufgenommen worden“. Ein Böhme – als höchstes Glücksgefühl. (Zitat Ende)

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