Größenwahn und bettelarm
Vor 176 Jahren: Lohengrin-Premiere. Aber ohne Maestro Richard Wagner.
Gestern (26.8.) ging mit „Rienzi“ das Jubiläumsfestival – 150 Jahre – in Bayreuth zu Ende. Ein denkwürdiger Akt, wie jener vor 176 Jahren, fast auf den Tag genau.
Ein Fernduell
Wenn es am 28. August 1850 bereits Fernsehen gegeben hätte, dann wäre Europa pünktlich um 18 Uhr in den Genuss eines köstlichen Fernduells per Liveschaltung gekommen. Zwischen den Kontrahenten lagen 620 Kilometer. Der eine, Franz Liszt, später und bis heute berühmt, stand vor dem Weimarer Hoforchester. Dort dirigierte er die Uraufführung der Oper Lohengrin. Der andere war der Komponist des Märchens vom „Schwanenritter“, ein steckbrieflich gesuchter Revolutionär namens Richard Wagner. Der saß als „Flüchtling“ in der neutralen Schweiz – und zwar dem Namensanlass korrekt im Luzerner Gasthof „Zum Schwanen“. Und dirigierte dasselbe Stück – vor einem imaginären Orchester.
„Sicher ein Fake“, möchte man in Zeiten wie diesen ausrufen. Doch nichts ist erfunden. Das Leben dieses Richard Wagner ergäbe heute einen grandiosen Mehrteiler im TV. Logischerweise auf einem privaten Kanal mit gelockerter Sittlichkeit, stilistisch zwischen „Buddenbrooks“ und „Dschungelcamp“ angesiedelt. Der Mann konnte nicht die Finger bei sich lassen und man fragt sich, was die Frauen an diesem eher kleinen, sächselnden Wichtigtuer fanden. Er duldete keinen Widerspruch. Wagner war in allem schnell und effektiv – im Fliehen, im Schreiben, im Betteln, im Intrigieren, im Dirigieren und im Liebeswerben. (aus: „Die Zeit“ 2013)
Der kleine Richard aus Leipzig, am 22. Mai 1813 geboren, sah sich als Messias, als einen vom Glück einzigartig Begünstigten.
Durchfall in Paris
Was gestern (26.8.) zum finalen Triumph in Bayreuth wurde, nämlich seine Oper „Rienzi“, war bei der Premiere in Paris kein Erfolg. Wagner wollte dem Meister der Grand Opera Giacomo Meyerbeer zeigen, dass er noch besser verstand als dieser zu komponieren. Es gelang ihm allerdings nicht. Das warf ihn zurück und machte ihn depressiv, weil sich seine finanzielle Situation dadurch gewaltig verschlechtert hatte.
Erst König Ludwig II. von Bayern erlöste ihn 1864 aus seiner desaströsen Schulden-Situation: „Er werde ihn für dahin aller Belästigungen des gewöhnlichen Gelderwerbs entheben.“ Diese Verheißung begriff Wagner als „nach oben offenen Überziehungskredit“. Damit rang Wagner seinem Ludwig auch die Finanzierung des Festspielhauses in Bayreuth ab. Ludwig II. gewährte einen Vorschuss von 100.000 Talern und 1876 konnten die ersten Bayreuther Festspiele stattfinden. Also vor 150 Jahren.
Quellen: Musiklexikon Brockhaus, „Die Zeit“ 2013/2, Wikipedia
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