In Mürzzuschlag geboren und gelebt: Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist 80
Das Amt des Landeshauptmanns wurde bis zu Christopher Drexler so verstanden und gelebt, dass dieser sich als erster Bürger seines Landes sieht und die Funktion in diesem Sinn nach bestem Wissen und Gewissen lebt. Unabhängig davon bei Auszeichnungen und Ehrungen von Persönlichkeiten, welche persönliche Positionierung und Tätigkeit die Wertschätzung des Landes ausgelöst hat. Voraussetzung dafür ist immer, dass die Ehrenträger nicht straffällig handeln und damit den Rechtsraum unserer Demokratie verlassen haben.
Ich habe als Journalist in den letzten zwei Jahrzehnten Mario Kunasek bei vielen offiziellen Anlässen als Politiker erlebt, der bemüht war – auch mir gegenüber –, Wertschätzung zu zeigen. Daher hätte ich mir erwartet, dass er sich als „Landeshauptmann aller Steirer“ zumindest im Sinne jener vielen Tausend Landsleute äußert, die Elfriede Jelineks jahrzehntelanges Wirken als Schriftstellerin sehr wohl wertschätzen.
„Eine eindrucksvolle Persönlichkeit“
„Es ist völlig klar und steht für mich außer Streit, dass ich als Landeshauptmann und damit auch wir als ÖVP Elfriede Jelinek zum 80. Geburtstag beglückwünscht hätten“, so Alt-Landeshauptmann Christopher Drexler. „Sie ist eine der eindrucksvollsten Persönlichkeiten in Österreich. Und so viele Nobelpreisträger haben wir ja auch nicht. Meine Gespräche mit ihr – auch 2023 bei der Verleihung des Ehrenringes des Landes, unserer höchsten Auszeichnung – waren einprägsam und erfrischend. Ich denke gern daran.“
Statement nach Anfrage
Die einzige offizielle Reaktion von Seiten des Landes kommt nach Anfrage von KLIPP beim Landespressedienst direkt aus dem Büro von Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl. Das knappe Statement: „Elfriede Jelinek ist eine der bedeutendsten Stimmen der österreichischen Literatur. Ihr Werk ist unbequem, kritisch und von internationaler Strahlkraft. Zum 80. Geburtstag gratuliere ich ihr mit großem Respekt. Als Steirerin ist sie mit der Steiermark verbunden – ihre Kunst bleibt jedoch unabhängig, eigenständig und frei von Vereinnahmung.“
Im Schauspielhaus Graz kommt es am 14. November 2026 zur Erstaufführung des Stücks „Ein Übertritt“. Elfriede Jelinek hat den 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs zum Anlass für eine Auseinandersetzung mit Krieg, Zerstörung, Schuld und Geschichtsvergessenheit genommen.
Sprachlich virtuos wie immer, verschränkt Jelinek in „Ein Übertritt“ den historischen Moment des Kriegsendes mit dem Gewaltpotential gegenwärtiger gesellschaftspolitischer Entwicklungen. Krieg und Gewalt sind nie beendet, sondern schreiben sich in der Menschheitsgeschichte ungebrochen fort. Mit analytischem Sprachwitz enttarnt die österreichische Literaturnobelpreisträgerin, in einer medienübergreifenden Inszenierung auf die Bühne gebracht, das Reden von Gerechtigkeit, Neuanfang und einem „Nie wieder“ als leere Versprechungen.
JL
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