Diskriminierung hat viele Gesichter

Neuer Bericht der der Antidiskriminierungsstelle Steiermark

Es sind Schwerpunktthemen, die für das diskriminierungsfreie Zusammenleben der Gesellschaft in Zukunft eine große Rolle spielen werden. Bei der Präsentation des aktuellen Berichts der Antidiskriminierungsstelle Steiermark strich Daniela Grabovac, die Leiterin der Stelle, drei auffallende Entwicklungen heraus, die zu einem großen Teil auch mit Altersdiskriminierung zu tun haben. Da wäre zum einen der Lebensbereich Wohnen mit extrem steigenden Preisen für Miete, Heizen sowie Strom und daraus resultierend einer sozioökonomischen Benachteiligung der Bevölkerungsgruppe von Menschen unter 30 Jahren. Zum anderen ist es die Digitalisierung sowie die Ausbreitung der sogenannten Künstlichen Intelligenz, die immer wieder für ältere Menschen eine Diskriminierung darstellt. Als drittes Schwerpunktthema rückt die Antidiskriminierungsstelle Steiermark das wachsende Problem des „Bodyshamings" in den Fokus, das die Jugend vor immer größere Herausforderungen stellt. Wobei auffallend ist, dass in allen Bereichen verstärkt junge Menschen von Benachteiligungen betroffen sind.

Diskriminierung am Wohnungsmarkt

Dies belegt auch eine von der Antidiskriminierungsstelle Steiermark in Auftrag gegebene Studie zum Forschungsaspekt „Diskriminierungsfreier Zugang zu Wohnraum in der Steiermark". Die neuen Erkenntnisse der Studie, die vom Europäischen Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (ETC Graz) durchgeführt wurde, zeigt negative Entwicklungen am Wohnungsmarkt hervorgerufen durch aktuelle Ereignisse in den vergangenen zwei Jahren wie die Pandemie oder den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Vor allem im Jahr 2022 verschärfte sich der ökonomische Druck auf die steirische Bevölkerung aufgrund der soziopolitischen und -ökomischen Entwicklungen. Insbesondere junge Menschen unter 30 Jahren haben mit den Folgen dieser Preisanstiege zu kämpfen und sehen sich mit existenziellen Problemen konfrontiert. Sie zählen folglich zu den sozioökonomisch benachteiligten Bevölkerungsgruppen.

Bodyshaming – immer mehr junge Männer betroffen

„Was früher als Verspottung, Beleidigung und Demütigung aufgrund des körperlichen Erscheinungsbildes galt, wird heute unter dem Schlagwort Bodyshaming zusammengefasst", erklärt Grabovac. Vor allem in den Sozialen Medien kommt es immer häufiger zu entwürdigenden und/oder entpersonalisierenden Bemerkungen über Personen und/oder deren Körper. Die negativen Kommentare beziehen sich nicht nur auf das Körpergewicht (dick, dünn etc.) und die Körpergröße (klein, groß etc.) von Personen, sondern auch auf die Körperbehaarung (Achselbehaarung, Kopfhaare, Frisur etc.) sowie auf die Figur und auf den Kleidungsstil. Tatsächlich sind erwachsene Frauen laut einer Studie zahlenmäßig am stärksten von Bodyshaming betroffen.

Immer öfter betrifft es aufgrund der Dynamik in den Sozialen Medien aber auch junge Menschen und hier im Speziellen auch junge Männer. Grabovac: „Während sich Frauen schon länger mit diesem Thema auseinandersetzen und sich langsam und mühsam aus dieser Negativspirale herauskämpfen, schlittern Männer geradewegs hinein und zählen zur neuen Zielgruppe von Bodyshaming. Gerade mediale Idealbilder, auf denen Männer breite Schultern und eine definierte Muskulatur haben, stellen Männer enorm unter Druck. Leider wird die Tatsache, dass diese medialen Idealbilder nicht der Wirklichkeit entsprechen, auch von Männern außer Acht gelassen."

Eine weitere Gruppe, die ebenfalls stark von Bodyshaming betroffen ist, ist die LGBTQI+-Community, die von Teilen der Gesellschaft ohnehin in ihrer Identität abgelehnt werden. Laut der LGBT-Foundation und einer Umfrage von BBC steigt bei Queere Personen, Transmenschen, Schwulen und Lesben die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper massiv. 

Grabovac: „Wir müssen hier bei der Jugend ansetzen. Diese muss in ihrer Einzigartigkeit gestärkt und in Akzeptanz geübt werden, denn wer sich selbst nicht akzeptiert, kann auch keinen anderen akzeptieren. Hierzu zählt ebenfalls der richtige Umgang mit Medien, welche das Problem in den letzten Jahren verstärkt haben. Nicht zuletzt ist eine Sensibilisierung zum Thema Bodyshaming und ihren Folgen notwendig. Herabwürdigung und Respektlosigkeit kränken die Psyche und machen ein glückliches, gesundes Leben unmöglich."

Benachteiligung durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz

Eine ganz andere Art von Altersdiskriminierung verdeutlicht der Bericht bei der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz. Hier sind es zumeist ältere Personen, die eine Benachteiligung erfahren müssen. Wenn zum Beispiel der Arzttermin nur mehr online buchbar ist oder ältere Menschen keinen Kredit mehr bei der Bank bekommen. „Die Digitalisierung bietet einen Fortschritt in so vielen Bereichen. Wir müssen nur darauf Acht geben, dass bei all dieser Schnelligkeit keine Menschen ausgeschlossen werden. Dies ist neben anderen Gruppen vor allem für ältere Menschen eine Gefahr als auch für Menschen mit niedrigem Bildungsstandard", so Grabovac.

Immer wieder kommt es zu Fällen, in denen die „Künstliche Intelligenz" Menschen zum Beispiel keinen Kredit gewährt oder ihnen schlechte Chancen am Arbeitsmarkt prognostiziert. Grabovac: „Algorithmen müssen transparent und nachvollziehbar gestaltet werden, sodass etwaige Diskriminierungen schnell aufgezeigt und bereinigt werden können. Zusätzlich muss vor allem auf den Aspekt der sozialen, altersbedingten und geschlechterbedingten Ungleichbehandlung Bedacht genommen werden sowie Maßnahmen zum Abbau derartiger Hürden getroffen werden. Denn nur so kann ein fairer und die Grundrechte achtender digitaler Fortschritt erreicht werden."

Der Antidiskriminierungsbericht liegt bei der Antidiskriminierungsstelle (Pestalozzistraße 59) auf oder online HIER zum Download.

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