Puzzeln gegen die Uhr
Erst alle Puzzle-Teile umdrehen, die Randteile aussortieren und sich orientieren. Zur Ruhe kommen und beim Zusammensetzen einfach entspannen – so mögen es die meisten Puzzle-Fans. Ganz anders bei Magdalen Greunz. Die Steirerin ist amtierende österreichische Vize-Staatsmeisterin im Speedpuzzeln – der Wettkampf-Variante gegen die Uhr.
Nach der Premiere im Vorjahr findet heuer am 1. und 2. Mai die zweite Staatsmeisterschaft im Speed Puzzeln in Wiener Neudorf statt. Rund 600 Teilnehmer aus ganz Österreich werden erwartet. Magdalen Greunz ist eine von acht Steirerinnen. In den Bewerben gilt es, ein streng geheimes 500-Teile-Motiv von Ravensburger, dem internationalen Marktführer für Puzzles, so schnell wie möglich zusammenzusetzen.
Gemütliche Pullis reißen Teile vom Tisch
Greunz erklärt, worauf es ankommt: „Auf das Platz-Management: Wo liegen die ungebauten Teile? Habe ich genug Freiraum?“ Selbst die Kleidung spielt eine Rolle: „Gemütliche Pullis haben oft den Nachteil, dass sie Teile vom Tisch auf den Boden reißen.“
Erst vor drei Jahren begann die gebürtige Britin, die in Graz-Andritz lebt, mit dem Speedpuzzeln. „Mich hat fasziniert, in kurzer Zeit aus einem 500-Teile-Chaos Ordnung zu schaffen.“ Entscheidend sei, den Fokus zu halten – und zu wissen, wann man ihn wechselt: „Oft ist es zeitsparender, innerhalb des Puzzles umzuschwenken, statt stur an einer Stelle weiterzuarbeiten.“
500 Teile in 49 Minuten
„Wenn 100 Leute Puzzle-Teile ausschütten, klingt das wie Regen an einer Fensterscheibe – ein magischer Moment“, erinnert sich Greunz an die Staatsmeisterschaft im Vorjahr. „Ich war anfangs extrem nervös, meine Finger zitterten, und mir fielen Teile herunter.“ Am Ende stoppte die Uhr bei 49:53 Minuten – Platz zwei hinter Verena Klauser (47:05). „Ich saß direkt hinter ihr – sie war fertig, und ich hatte noch etwa 30 Teile.“ Greunz hat im letzten Jahr auch bei der WM in Spanien teilgenommen, wo sie im Einzel den 23. Platz belegte. Den Weltmeister-Titel holte sich Weronika Huptas aus Polen mit einer Zeit von 39:44 Minuten.
Unterschiedlichste Strategien
„Oft werden die Randteile gleich aussortiert, auch wenn der Rand nicht sofort gebaut wird. Auffällige Elemente – etwa ein einzelnes blaues Buch – werden ebenfalls früh herausgesucht.“ Manche setzen auf „Pick & Place“: „Teile werden ungefähr dort abgelegt, wo sie später hingehören. So füllt sich das Puzzle nach und nach.“ Bei großen einfärbigen Flächen hilft es, Teile am Ende nach Form zu sortieren. „Ich mache immer einen kompletten Flip und sortiere dabei meist die Randteile. Wenn nichts anderes hervorsticht, baue ich den Rand ganz oder teilweise – außer er ist einfärbig, dann erst zum Schluss.“
Wie trainiert man für eine Meisterschaft?
„Indem man Puzzles auf Zeit baut oder dasselbe Motiv mehrmals, um Strategien zu entwickeln.“ Auch gezieltes Training gehört dazu: „Beim Flip achte ich darauf, unnötige Bewegungen zu vermeiden. Etwa mehrere Randteile gleichzeitig weglegen. Wichtig ist auch, die nicht-dominante Hand einzubeziehen – oder sogar ein Puzzle nur mit dieser zu bauen.“
Okay. Soweit werde ich als „normale Puzzlerin“ wohl nicht kommen. Und dennoch habe ich mir fürs Wochenende vorgenommen, bei einem 500-Teile-Puzzle einmal die Zeit zu stoppen ...





