So „informiert“ auch das Putin-Regime über den Tod von Häftlingen

Unglaublicher Skandal in der Strafanstalt Hirtenberg aufgedeckt. Der Wochenzeitung FALTER sei Dank!

Dass psychisch schwer gestörte Häftlinge phasenweise völlig unzurechnungsfähig handeln, verständlich gesagt ausrasten können und damit nicht mehr zurechnungsfähig sind, ist im Justizwachdienst bekannt. Dass bei einem Einschreiten in solchen Situationen nur bestens geschulte, „zurechnungsfähige“ Beamte zum Einsatz kommen, davon sollte man ausgehen. Schwerverbrecher und Terroristen „ruhigzustellen“ – was immer das bedeutet –, ist ein Einsatz anderer Art.

Diese Verständigung einer Mutter am Morgen des 4. Dezember hätte so auch aus einem Büro der Gefängnisverwaltung irgendwo in Russland kommen können. Diese ist kurz und nüchtern und klingt nach einem unvermeidbaren Ereignis: Ihr Sohn Michael, 30, ist in staatlicher Obhut gestorben. Ein schwaches Herz, ein plötzliches Multiorganversagen: also Schicksal. (Zitat FALTER 5/26)

Am 19. Dezember wird Michael begraben. Auf der Parte des „völlig unerwartet verstorbenen“ Sohnes schreibt die Familie: „Zwischen Himmel und Erde geschehen Dinge, die wir nicht verstehen. Und wir stehen still und stumm daneben.“ Entsprechend der Information der Justizanstalt Hirtenberg glauben die Verwandten an einen natürlichen Tod.

Zitat FALTER: Was die Behörde der Mutter verschweigt, wird sie erst durch Recherchen des FALTER am 12. Jänner dieses Jahres erfahren: Während die Nachricht vom Herzversagen überbracht wird, ermitteln Beamte des Landeskriminalamts Niederösterreich in Hirtenberg. (Anmerkung der KLIPP-Redaktion: Österreich ist zum Glück doch nicht Russland.) Sie fotografieren Zellen, beschlagnahmen Videos, nehmen DNA-Abstriche von sechs Justizwachbeamten. 12 Beamte werden kurz darauf zu Beschuldigten erklärt: Verdacht auf Fahrlässige Tötung unter Ausnützung der Beamtenstellung. Erste Hinweise deuten auf eine Straftat hin.

Am 9. Dezember meldet Gerichtsmediziner Wolfgang Denk den Behörden, der Leichnam von Michael weise folgende Verletzungen auf: „zahlreiche Gesichtsschädelbrüche“, „Schädel-Hirn-Trauma durch Einblutungen“, „Brüche am rechten Oberkiefer“, „Brüche am Jochbogen“, „Brüche an der Augenhöhle“, „Bruch mittig am Unterkiefer“, „Kehlkopfbruch“, „Blutungen in der Bauchwand und der Brusthöhle“, „Beidseitige Serien-Rippenbrüche und Bruch des Brustbeins“, „Blutungen im Rücken übergehend in den Gesäß- und Beckenbereich“, sowie „Blutungen an beiden Kniekehlen und den angrenzenden Unterschenkeln“. Ein Justizbeamter, der den Leichnam sah, spricht gegenüber dem FALTER von einem „höchst verstörenden Anblick“. Soweit Auszüge aus der FALTER-Reportage.

Was war der Auslöser? Michael, der psychotische Häftling sollte ins Spital überstellt werden. Statt ihn zu sedieren, schlugen maskierte Beamte mit Sturmhauben auf ihn ein.
Anmerkung der KLIPP-Redaktion: Da heißt es vorerst schon einmal „tief durchatmen“. Hätte nur noch eines gefehlt – in Tapferkeit für die Republik.

Die gesamte Reportage zum Skandal in Hirtenberg:
https://www.falter.at/maily/20260127/justizskandal-in-hirtenberg

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