Stadion-Umbau Graz: „Droht Fass ohne Boden zu werden“

Unternehmer, Bergsteiger-Legende und Museumsgründer Hans Schell

Hans Schell, 87, war erfolgreicher Gründer der Unternehmensgruppe Odörfer, wurde zu einer Bergsteiger-Legende und ist Museumsgründer der Schell Collection (Schlüsselmuseum) in Graz. Er weiß daher um die Anforderungen im Sport und in der Wirtschaft.

„Mir ist bewusst: Allen recht getan, ist eine Kunst die niemand kann!“, schreibt er in einem Brief an die Grazer Stadtregierung mit Bürgermeisterin Elke Kahr an der Spitze. „Da der Stadionbau mit starker Unverfrorenheit gefordert wird, möchte ich dazu meine Meinung sagen. Wenn es um hochwertige, der Nachwelt zu erhaltende angewandte Kunst geht, heißt es lapidar, wir haben kein Geld.“

Einen Stadionbau/-Umbau (Anm. d. Red.: voraussichtliche Kosten zumindest 60 Mio. Euro) überhaupt nur anzudenken, sei daher völlig unangebracht, so Schell. Dazu komme, dass durch leider nicht so wenige asoziale Individuen hoher Polizeieinsatz pro Spiel notwendig ist und Sachbeschädigungen zum „Fußballsport“ dazugehören.

Nicht nur die Befürchtung des 87-jährigen erfahrenen Wirtschaftsmannes: „Sollte das Finanzkonzept, dass die Manager von Sturm und GAK vorgestellt haben, durchgezogen werden, kann heute schon mit sehr großer Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden, dass in einigen Jahren man die Eigenverwaltung des Stadions finanziell nicht schaffen wird und neuerlich Millionenbeträge und das jährlich, die öffentliche Hand bereitstellen muss.“

Ein Argument von Schell, das kaum Chancen auf Realisierung hat: „Da das Stadion in Klagenfurt, auch ein Größenwahnprojekt, nicht ausgelastet ist, würde es einen Bruchteil der Kosten verursachen, wenn Graz und das Land Steiermark den Zugfahrpreis nach Klagenfurt hoch subventionieren und sich die vielen Millionen für Graz ersparen. Ansonsten wird das ganze kostspielige Projekt dauerhaft ein Fass ohne Boden sein.“

Hans Schell weiter: „Wenn Sturm und GAK das Liebenauer Stadion jährlich mit 250.000 – 300.000 füllen sollten, rechtfertigen die Besucherzahlen keinesfalls eine derart hohe Investition und die zu erwartenden, weiteren Belastungen. Außerdem, wer garantiert, dass beide Klubs nicht auch in die Bedeutungslosigkeit absinken könnten und dann nur mehr sehr wenige Zuschauer kommen.“

Zur Schell Collection: Es ist ein Privatmuseum und widmet sich auf 2.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche Schlüsseln, Schlössern und Eisen. Die Sammlung ist in der Wiener Straße in Graz zu besichtigen.

In den letzten Jahrzehnten investierte Gründer Hans Schell Millionen in den Ausbau und die Erweiterung des Museums. Hans Schell: „Unser Museum bekommt dankenswerterweise eine Subvention der Kulturabteilung der Stadt Graz. Dieser Zuschuss ist für uns sehr hilfreich und wir sind dafür auch sehr dankbar. In Relation zum Graz Museum sind es aber gerade 3 Prozent der Förderung, die dieses Museum jährlich bekommt.“

Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der erste der kommentiert