Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren
„Die Stadt mit ihrer Lage und ihrer ganzen Umgebung hat, darf man sagen, etwas Ideales“, lese ich im mehr als 200 Jahre alten Tagebuch von Johann Wolfgang von Goethe. Heidelberg, die Stadt der Romantiker, hatte in Goethes Leben und Wirken eine große Bedeutung. Er liebte den Schlossgarten, wusste aber auch die kulinarische Seite Heidelbergs zu schätzen. Die Stadt im Bundesland Baden-Württemberg ist einfach der Inbegriff deutscher Romantik und so stand sie auch auf meiner Reise-Wunschliste – bis zum Sommer.
Das Heidelberger Schloss thront gleichsam über der Stadt. Es geht auf eine Burg im 13. Jh. zurück, wurde zerstört und wieder restauriert und ist heute wirklich DIE Sehenswürdigkeit, obwohl seit mehr als 300 Jahren überwiegend eine Ruine. Und auch der Ausblick auf die Stadt vom gegenüberliegenden Philosophenweg, wo einst Gelehrte in steifen Gehröcken wandelten – von dem kann man nur schwärmen. Wir folgen den zahllosen Stufen des sich hinunter windenden Schlangenpfades zur Alten Brücke, einem weiteren zu Stein gewordenen Wahrzeichen der alten Residenzstadt. Romantisch wird es dort auf der Nepomuk-Terrasse der Brücke, wo Verliebte am Heidelberger Liebesstein ein Liebesschloss als Symbol ihrer ewigen Treue anbringen können.
Für uns geht’s auf dem Neckar weiter. Angetrieben von der Kraft der Sonne gleiten wir lautlos über den Fluss – und immer die Stadt als Kulisse. „Mehrere Millionen Touristen machen unsere Stadt zu einem der großen Touristenmagneten Deutschlands“, erfahren wir von Gästeführerin Birgit. Die Dichter der Romantik Joseph von Eichendorff, Clemens Brentano und Achim von Arnim sind dem Zauber der Stadt ebenso erlegen wie der Schriftsteller Mark Twain, der Komponist Robert Schumann oder der Maler William Turner.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Heidelberg eine der wichtigsten US-Militärbasen. „Das Heidelberger Schloss war fast fünf Jahrhunderte lang Residenz der Kurfürsten von der Pfalz“, erklärt uns Birgit. Untrennbar mit der Geschichte der Stadt verbunden ist auch die mehr als 600 Jahre alte Universität Ruperto Carola mit ihrer fast sakral anmutenden Alten Aula. Sie ist die älteste Universität Deutschlands mit heute mehr als 30.000 Studenten.
Zwar nicht ganz so romantisch, aber sehenswert ist der Studentenkarzer auf der Rückseite der Alten Universität. Hier wurden von 1778 bis 1914 die Studenten für „Kavaliersdelikte“ wie heftige Mensuren, nächtliche Ruhestörungen oder andere Verstöße gegen die öffentliche Ordnung – oft waren es feucht-fröhliche Streiche – bestraft. Viele vertrieben sich die Zeit damit, sich an den Karzerwänden mit Sprüchen zu verewigen, und diese teils amüsanten „Kunstwerke“ sind noch heute zu besichtigen.
Wir schlendern weiter durch die Seitenstraßen und kleinen Gassen der Altstadt mit ihren malerischen Plätzen, Kirchen, Museen und anderen Sehenswürdigkeiten. Mit 1,6 Kilometern Länge gibt’s in Heidelberg übrigens eine der längsten Fußgängerzonen Europas. Als Naschkatzen zieht es uns in die älteste Schokoladenmanufaktur Heidelbergs, das Café Knösel. Dort lassen wir uns den „Heidelberger Studentenkuß“ auf der Zunge zergehen – ein Konfekt aus Nougat, auf einem Waffelboden, umhüllt von Zartbitter-Schokolade. „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren“, heißt’s im weltbekannten Schlager. Stimmt.
IH









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