So etwas darf es bei uns nicht geben!

Behördenschikane bis zum Verdacht des Amtsmissbrauchs in Wien: ORF-III-Kulturchefin Ani Gülgün-Mayr wird nach fünf Jahrzehnten im Land als Staatsbürgerin „abgelehnt“.

Die Moderatorin Ani Gülgün-Mayr, 54, Leiterin der ORF-III-Kultur, lebt seit 1972 in Österreich. Bisher bleibt ihr Antrag auf Staatsbürgerschaft durch die MA 35 abgelehnt. Begründung: Die MA 35 zweifelt an ihren Deutschkenntnissen.

Es klingt wie ein Hohn

Nichts gegen den Opernstar Anna Netrebko. Doch sie hat längst die österreichische Staatsbürgerschaft. Wiewohl ihre Deutschkenntnisse sicher viel Potenzial nach oben haben. Aber als VIP von der Bürokratie in Wien eingestuft spielen offensichtlich ihre Deutschkenntnisse und auch ihr gesamtes Umfeld keine Rolle. Anna Netrebko ist ja seit dem Angriffskrieg von Russlands Alleinherrscher Wladimir Putin, ihren Auftritten dort und den Kontakten zu ihm im Visier von Kritikern.

Profilierte Moderatorin

Ani Gülgün-Mayr ist seit Jahren praktisch täglich als Moderatorin im ORF III am Bildschirm. Sie spricht perfekt Deutsch – ohne Akzent. Gegenwärtig berichtet sie fast täglich von den Salzburger Festspielen und führt dort Interviews mit Schauspielern, Verantwortlichen. Sie prägt damit also dieses TV-Format mit. Die in der Türkei geborene Ani Gülgün-Mayr ist durch ihren Bildungsweg eine anerkannte Expertin. Musterschülerin, studierte Psychologie, engagierte sich im Integrationsverein Echo, arbeitete später im Gründungsteam des „Standard“ und landete schließlich beim ORF. Sie gehörte zu den ersten Moderatorinnen mit türkischem Pass im österreichischen Fernsehen. Gülgün-Mayr kam 1972 aus Istanbul nach Wien. Ihr Vater war Dreher, ihre Mutter Schneiderin. Sie ist also ein Gastarbeiterkind.

Bei der wöchentlichen ORF-Sendung „STÖCKL – Der spannende Talk mit Barbara Stöckl“ Donnerstagabend kam auch ihr bisher gescheiterter Staatsbürgerschaftsantrag zur Sprache. Es ärgere sie schon, äußerte sich die sympathische TV-Moderatorin Gülgün-Mayr über ihre Probleme mit der MA 35. Dabei erzählte sie auch, dass sie im ORF – und nicht nur dort – sogar Sprachkurse für „Zuwanderer in Deutsch“ gegeben hat.

Auf drei Seiten erläutert die MA 35 als Behörde, warum die Voraussetzungen für die Staatsbürgerschaft nicht erfüllt seien. Wörtlich heißt es darin: „Voraussetzung jeder Verleihung ist der Nachweis ausreichender Deutschkenntnisse sowie von Grundkenntnissen der demokratischen Ordnung und der Geschichte Österreichs“. Diesen Nachweis habe die ORF-Kulturjournalistin nicht erbracht.



„Ich bin sprachlos“

Es ist ein Treppenwitz. Mehr bürokratischer Mumpitz geht gar nicht. Ani Gülgün-Mayr, die auch im österreichischen Fernsehen Deutsch unterrichtete, konnte der Behörde offenbar nicht ausreichend nachweisen, dass sie Deutsch kann. „Ich bin sprachlos“, sagte Gülgün-Mayr immer wieder.

In der Sendung mit Barbara Stöckl gestern (23.7.) erläuterte Ani Gülgün-Mayr umfassend ihre Kommunikation und Kontakte mit der MA 35. Laut der Wochenzeitung „Falter“ (16.6.2026) erhielt Ani Gülgün-Mayr mittlerweile einen Brief der MA 35, in dem man sich entschuldigte. Die Behörde habe ihre Zeugnisse übersehen, die Deutschkenntnisse seien somit belegt. Es würden jetzt noch die Angaben über ihren „Scheidungsvergleich“ fehlen. Ani Gülgün-Mayr sagt dazu: „Die habe ich natürlich längst vorgelegt“.

Eine „Falter“-Anfrage von Florian Klenk im Büro von Bürgermeister Michael Ludwig sorgte dort nicht für Sprachlosigkeit, aber auch für Staunen. Putzig klingt die Antwort auf Klenks Frage, was denn da los sei: Die MA 35 sei seit kurzem (exakt seit 8.10.2025) unter neuer, fortschrittlicher Führung. Das sei gewiss keine böse Absicht.

Klingt alles „spanisch“

Die neue Leiterin der MA 35 heißt Nicole del Carmen Garfias. Klingt eher „spanisch“. Die Absolventin des Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Wien im Jahr 2015 ist, nach mehreren Stationen in der Privatwirtschaft und im Parlament, 2019 in den Dienst der Stadt Wien (MA 40 Soziales) eingetreten. Nach dem Wechsel in den Bereich der Magistratsdirektion, wo sie von 2022 bis 2024 in der Gruppe Krisenmanagement und Sicherheit tätig war, übernahm sie mit Juli 2024 in der MA 35 - Einwanderung und Staatsbürgerschaft die Leitung der Gruppe Recht und wurde stellvertretende Abteilungsleiterin.

Offensichtlich scheint sie dort als Führungskraft irgendwo falsch abgebogen zu sein. Denn mehr Schikane und Amtsschimmel, als im Fall der österreichweit bekannten Ani Gülgün-Mayr, ist nicht möglich. Wie muss es dort erst für Antragssteller zugehen, die als Person völlig unbekannt sind? Es muss der blanke Horror sein ...

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