Die Krux der Belüftung in Schulen

TU Graz zeigt effektives und kostengünstiges Abluftsystem mit Material aus dem Baumarkt

Schulen haben in Österreich meist eine natürliche Belüftungsstrategie, das bedeutet, gelüftet wird durch geöffnete Fenster. Das funktioniert im Alltag aber meist unzureichend, weiß Christina Hopfe, Leiterin des Instituts für Bauphysik, Gebäudetechnik und Hochbau der TU Graz.

„Im Winter ist es vielen zu kalt für ein ausreichendes Stoßlüften, im Sommer ist es hingegen oft zu heiß und insgesamt ist es in vielen Klassenräumen durch den Straßenverkehr schlicht zu laut, wenn die Fenster geöffnet sind. In Schulen mit raumlufttechnischen Anlagen haben wir hingegen oft Mängel in Wartung und Betrieb festgestellt. Die Belüftung ist also selten ausreichend, und das war auch schon vor Corona der Fall“, so Hopfe.

Im dritten Jahr der Coronapandemie zeigt die Datenlage sehr deutlich, dass wirksames Lüften, also der Austausch von Raumluft gegen Außenluft, die Konzentration an infektiösen Partikeln in der Raumluft massiv verringert. Gleichzeitig wird aber eben gerade in Klassenzimmern meist zu selten und zu kurz gelüftet.

Abluftsystem mit handelsüblichen Bauteilen

Gemeinsam mit ihrem Team teilt Christina Hopfe dazu nun vielversprechende Erkenntnisse und Informationen: Im Herbst 2021 haben die Forschenden unter Leitung von Robert McLeod (IBPSC) in einem Pilotversuch zwei Klassenzimmer der Sacré Coeur Schule in Graz mit einem kostengünstigen und einfach gebauten Abluftsystem auf Basis eines Konzeptes des deutschen Max-Planck-Institutes ausgestattet. Die Anlage zieht verbrauchte, aerosolhaltige Luft über Abzugshauben ins Freie und sorgt zugleich für permanente Frischluftzufuhr. 

Mit handelsüblichen Bauteilen, die zum Großteil direkt im Baumarkt erhältlich sind, fallen dafür pro Klassenzimmer Material- und Installationskosten von rund 500 bis 700 Euro an. Ein Erklärvideo (in Englisch und Deutsch) zu Bau und Installation des Systems wurde nun auf der Institutswebsite unter www.coved.tugraz.at veröffentlicht, bis Mitte August folgt noch eine verschriftlichte DIY-Anleitung.

„Mit gut durchgeplanten und installierten Abluftventilatoren ist das Infektionsrisiko ungefähr acht Mal geringer. Jedes Klassenzimmer und jeder Gruppenraum im Kindergarten kann mit einem derart effektiven Abluftventilationssystem problemlos und kostengünstig nachgerüstet werden. Es wäre ein ganz großer Beitrag, um das Infektionsgeschehen in Schulen und Kindergärten einzudämmen“, sagt Christina Hopfe.

„Luft-Filteranlagen verteilen Virus“

Das Abluftsystem unterscheidet sich deutlich von teuren Luft-Filteranlagen, welche die Luft ansaugen, um sie zu reinigen. „Dabei handelt es sich nicht um eine Belüftungsvariante“, so Hopfe. „Aerosole werden im Raum zu diesem Gerät gezogen, das heißt, der Virus wird nicht dort entzogen, wo er ist, sondern kann sich im ganzen Raum verteilen, bevor er entzogen wird. Das hat zur Folge, dass Personen im Raum über Zeit (lokal) einer größeren Aerosolkonzentration ausgesetzt sein können“, schildert Hopfe und sagt weiter: „Die Systeme sind hilfreich, aber sollten unserer Meinung nach nur dann benutzt werden, wenn keine andere Belüftungsmöglichkeit zur Verfügung steht.“ 

Wartungsarm, leise, kostengünstig

Das Abluftsystem hat neben den oben genannten eine Reihe weiterer Vorteile: Es ist kein Eingriff in die Bausubstanz notwendig, das System hat keine Filter und braucht damit praktisch keine Wartung, es ist um einiges leiser und kostengünstiger als Luftfilteranlagen und im Vergleich zur natürlichen Belüftung sogar energiesparender. „Und der Bonus“, so Hopfe: „Niemand muss beim Stoßlüften frieren.“

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