Heilsbringer verglüht

Sebastian Kurz – in der zweiten Reihe keine Freude mehr

Foto: Heimo Ruschitz

Als international bekannter Immunologe, Virologe, Toxikologe, aber auch als gelernter Sport-Profi, wie ein David Alaba, Marcel Sabitzer oder gar ein Lionel Messi, Robert Lewandowski, hätte Sebastian Kurz bei einem beruflichen Szenenwechsel sicherlich die Möglichkeiten, einen zumindest ebenbürtigen Job, wenn nicht sogar einen noch besseren angeboten zu bekommen. Diese Voraussetzungen brachte er nicht mit. Damit sind für ihn, der keine Berufsausbildung durchlebt hat und nur durch die Politik groß geworden ist, nach seinem erzwungenen Rückzug als Kanzler in unserer kleinen Republik Österreich keine gleichwertigen Jobs mehr zur Verfügung gestanden. Der eines künftigen Bundespräsidenten stand für Sebastian Kurz als Beschuldigten in einem Strafverfahren außer Reichweite. Auch ein Wechsel auf die EU-Ebene war unrealistisch, spielt doch dort Österreich nur eine untergeordnete Rolle.

So unvorstellbar rasch er seinen politischen Aufstieg geschafft hat, so unerwartet rasch ist er durch die Polit-Enthüllungen der letzten Monate mit den Chats von Thomas Schmid, aber auch jenen von Christian Pilnacek, seines engsten Mitstreiters Gernot Blümel und durch die bezahlten, manipulierten Umfragen in Misskredit geraten.

Mit seinem heutigen Total-Rückzug aus der Politik ist der Polit-Stern Sebastian Kurz verglüht. Er war schon mit seinem Aufstieg im Jahr 2017 zum ÖVP-Chef und Kanzler-Kandidaten, seinen Auftritten im Stil eines Jörg Haiders oder Karl-Heinz Grassers als neuer Heilsbringer und Messias der ÖVP zum Siegen verdammt. Niederlagen, wie sein erzwungener Rücktritt, bedeuten für Charakter seines Stils dann das Karriereende. Ein ähnliches „Polit-Schicksal“ erlebte ja auch vor Jahren der deutsche Shooting-Star Karl-Theodor zu Guttenberg, der nach Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit seiner Dissertation zurücktreten musste.

Daher ist es von Sebastian Kurz nicht nur so daher gesagt, wie bei sonst Vielem in seiner Zeit als Politiker, dass die Geburt des ersten Kindes, seines Sohnes, ihm zeigt, dass es neben der Politik, die er leidenschaftlich betrieben hat, noch ein anderes Leben gibt. Eines, dem er sich künftig auch mit Leidenschaft widmen wird. Und das ist wohl der Balsam für ihn und nach seinem tiefen Sturz die Chance, als Persönlichkeit zu wachsen. Mehr Glück kann es für einen Menschen – sofern er normal tickt –, gar nicht geben. Das zeigen viele Beispiele aus der Geschichte.

Persönlich bin ich überzeugt, dass sich die ÖVP für Karl Nehammer als Kurz-Nachfolger entscheiden wird, dass dieser aber bei weitem nicht diese Strahlkraft entwickeln kann wie Sebastian Kurz. Die Österreicher schätzen die Arbeit von „Polizisten“, doch einen in Django-Manier als Polit-Spitze der Republik – eine lange Zukunft wird diesem nicht gegönnt sein.

JL

Lesen Sie auch: Mit 30 zum Siegen verdammt und Die Zeit von Kurz ist vorbei

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Bemerkungen :

  • user
    Christian Wallner December 3, 2021 um 1:38 pm
    Wer einen Blender, der dereinst noch unter „schwarzem“ Banner mit einem schwarzem Hummer, leicht geschürzten Damen und dem Slogan „Schwarz-macht-geil“ unterwegs war, sich unmittelbar darauf zum „Wunschschwiegersohn“ und Reformer hochmogelt zu wählen, war immer schon fragfürdig. Was hat man seitens der konservativen, christdemokratischen Schwarzen erwartet, als es nach der Machtergreifung von Kurz hieß: „Wir sind jetzt die TÜRKISEN“? Was erwarteten den Wähler? Was hat die ÖVP derweil gatan, um ihr System – jenseits dessen von dem des „heiligen Basti“ zu reformieren?

    Nicht Glück, sondern Kalkül und Energie zum Eigenerhalt bestimmt das Leben des Herrn Kurz! Sein Motto: „Catch me, if you can“ wird ihm auch künftig ein sorgenfreies Leben ermöglichen, auch ohne Ausbildung. Nicht jedem ist es gegeben, immer auf den Beinen zu landen, nicht einmal ehemaligen Politikern blauer Färbung, die als „gelernte“ Zahntechniker eher um Spenden für die Anwaltskosten der Ibiza-Affäre betteln, statt zu arbeiten.

    Unvorstellbar ist nicht sein Aufstieg von Kurz, sondern die Tatsache, wer ihm dabei alles geholfen hat.

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