Steirische Tageseltern unter Druck: Einkommen ohne Netz und doppelten Boden

Unbezahlte Mehrarbeit von 638.000 Euro. AK-Studie beleuchtet Belastungen und Herausforderungen

Mehr als 2000 Kinder werden in der Steiermark von Tageseltern betreut, doch seit 2017 hat bereits etwa ein Viertel der Betreuenden ihren Beruf aufgegeben. Tageseltern schließen Betreuungslücken im System, arbeiten meist alleine im eigenen Haushalt und tragen dabei pädagogische Verantwortung, die jener in Krippen und Kindergärten kaum nachsteht.

Eine neue Studie im Auftrag der Arbeiterkammer Steiermark zeigt: Die größte Belastung stellt für die Befragten die finanzielle Unsicherheit dar. Ihr Einkommen ist direkt an die Zahl der betreuten Kinder gekoppelt, es gibt kein fixes Gehalt und viele notwendige Ausgaben – von Verpflegung über Bastelmaterialien bis hin zu Sicherheitsattesten – müssen aus eigener Tasche bezahlt werden.

Fast 60 Prozent der Tageseltern geben an, dass die Verpflegungspauschale nicht ausreicht, mehr als 85 Prozent erhalten keine vollständige Erstattung für Bastel- und Spielmaterialien. Auch die Überbrückungshilfe wird kritisiert, da sie zu gering, zu kurz und nicht für alle zugänglich ist.

Zudem fehlt es an sozialer Absicherung: Mehr als 90 Prozent der Tageseltern erhalten keine Bezahlung, wenn Kinder zu spät abgeholt werden, es gibt keine garantierte Fortzahlung im Krankheitsfall oder während des Urlaubs. Vertretungsregelungen sind unzureichend, wodurch viele Tageseltern bei Ausfällen finanzielle Einbußen hinnehmen müssen. In Summe leisten Tageseltern jährlich unbezahlte Mehrarbeit im Wert von 638.000 Euro.

Gleichzeitig nimmt die bürokratische Belastung stetig zu: 60 Prozent der Tageseltern empfinden die Anforderungen der Fachaufsicht heute als strenger als noch vor fünf Jahren. Auch die Belastung im Berufsalltag hat zugenommen: 57 Prozent der Befragten sagen, dass der Beruf heute schwerer ist als vor fünf Jahren, und beinahe die Hälfte kann sich nicht vorstellen, diesen Beruf bis zur Pension auszuüben. Viele Tageseltern fühlen sich in ihrer Arbeit von der Gesellschaft nicht ausreichend wertgeschätzt und haben das Gefühl, dass ihr Beitrag zur Kinderbetreuung unterschätzt wird.

Karin Fechter, Betriebsratsvorsitzende Tagesmütter Graz-Steiermark: „Der Berufsstand ist existenziell bedroht. Wenn man will, dass sie weiter arbeiten, braucht es einen politischen Willen, um für sie tragbare Rahmenbedingungen zu schaffen.“ AK-Steiermark-Präsident Josef Pesserl appelliert an die Politik, für eine bessere finanzielle Absicherung und bessere Arbeitsbedingungen für Tageseltern zu sorgen.

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