250.000 Ungarn flüchten nach Österreich
Am Morgen des 4. November rücken die Truppen in Budapest ein. Die Operation „Wirbelsturm“ mit 60.000 Soldaten der Sowjet-Armee beginnt. Der am 23. Oktober begonnene Aufstand, bei dem die Ungarn anfangs große Erfolge feierten, mit Imre Nagy („nodj“) einen neuen Ministerpräsidenten bekamen, endet mit der Niederschlagung und vielen Gräueln. Nicht zuletzt, weil die Hoffnung auf ein Einschreiten der westlichen Weltmächte ausbleibt.
Kämpfe um Wohnblocks
Widerstand beantwortet die Sowjet-Armee mit Panzer-Salven. Ihre Truppen schießen gnadenlos auf Wohnhäuser. An einer strategisch wichtigen Stelle am Eingang zur Innenstadt von Pest liegt das von hohen Wohnblocks umstellte Corvin Lichtspielhaus. Dort haben sich Revolutionäre verschanzt. In erbitterten Kämpfen dringen die sowjetischen Truppen in den Innenhof vor und kesseln die verbliebenen Verteidiger im Kino ein. In Budapest sieht es in manchen Straßenzügen bald aus wie in Wien 1945.
2.500 Tote und 20.000 weitere Opfer
Noch Jahre später sind die Zeichen dieses Aufstands nicht beseitigt. Am Ende betrauern die Ungarn mehr als 2.500 Tote und an die 20.000 Verwundete und Schwerverletzte. Mehr als 200 Menschen lassen die Sowjets nach der Niederschlagung des Aufstands hinrichten und 26.000 verhaften. Von denen die meisten zu langen Gefängnisstrafen verurteilt werden.
Am Galgen gestorben
Erst zwei Jahre später steht in einem Hof des Zentralgefängnisses von Budapest der „Ministerpräsident der Hoffnung“ vor seinen Henkern. Es ist der 16. Juni 1958. Ein Seil wird um seinen Hals gelegt. Kurz darauf hängt Imre Nagy am Galgen. Nun beginnt für ihn eine lange Reise. Sein Leichnam wird verscharrt und später anonym an einer Ecke des neuen öffentlichen Friedhofs in Budapest begraben.
Wieder ausgegraben
1989, im Jahr der friedlichen Revolution, wird der im Volk populäre Nagy wieder ausgegraben. Rund 200.000 Menschen versammeln sich am Tag der Umbettung zu einer Trauerfeier auf dem Heldenplatz. Neben dem prächtigen Parlament baut man ihm 1996 ein lebensgroßes Denkmal. Doch nur 20 Jahre später ordnet Viktor Orbán einen Umzug des Denkmals an. Seit 2018 steht es im Schatten einer Donaubrücke vor einem früheren Gebäude der Geheimpolizei.
Am Parlament lässt der autoritär regierende Orbán dafür mit großem Aufwand ein Museum für die Revolution von 1956 bauen, in dem Imre Nagy nicht einmal erwähnt wird.
Der 70. Jahrestag des 4. November fällt nun in eine Zeit des erneuten politischen Aufbruchs. Seit Mai regiert Péter Magyar das Land. Einst ein Gefolgsmann Orbáns, macht er sich daran, Ungarn nach den autoritären Jahren wieder zu demokratisieren. Geht auch Imre Nagys Reise weiter?
250.000 flüchten nach Österreich
Mit der Niederschlagung des Aufstands versuchen rund 250.000 Ungarn, ihre persönliche Freiheit mit einer Flucht nach Österreich zu erlangen. Es ist dies die erste große Herausforderung für unsere junge Republik. Erst ein Jahr zuvor haben die Alliierten-Besatzungstruppen – Russen, Amerikaner, Briten und Franzosen – Österreich verlassen. Die ungarischen Flüchtlinge und deren Nachkommen waren/sind bis heute überwältigt von der freundlichen Aufnahme durch die österreichische Bevölkerung.
Quellen: private Tagebücher; „Die Zeit“ 46/Oktober 2026










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