Wie lange Millionen-Sponsor?

Was Heidi Horten für KAC war ist Herbert Jerich für 99ers. Heute zweites Finalspiel gegen HC Pustertal.

Heidi Horten verstarb am 12. Juni 2022. Die Multimilliardärin liebte den Wörthersee und ihr dortiges luxuriöses Domizil. Mit Kärnten verband sie aber auch noch etwas anderes: Sie war seit dem Jahr 2010 als Liebhaberin des Eishockey-Sports die Geldgeberin für den KAC und Ehrenpräsidentin. Heidi Horten war sozusagen der Garant dafür, dass der KAC in der Liga (2021 letzte Meisterschaft) eine führende Rolle spielt. Gab es am Ende der Spielsaison ein Minus – wie hoch die Summe auch war – so sorgte die Mäzenin mit ihren Millionen für den Ausgleich.

Wie bekannt wurde, will sich die Heidi-Horten-Stiftung als Großsponsor zurückziehen. Der KAC schied heuer bereits im Viertelfinale gegen ICE Fehérvár aus Ungarn aus. Auch EC Red Bull Salzburg, Meister und Liga-Gewinner der letzten vier Jahre, erlitt dieses Schicksal. Gegen den HC Pustertal. Der Platz an der Sonne aus heimischer Sicht gehört damit in diesem Jahr den Graz 99ers mit ihrem Präsidenten Herbert Jerich.

International erfolgreich und in Spiellaune

Das Logistikunternehmen mit Sitz in Gleisdorf verdient gut in seiner Branche. Das ist auch nötig, denn nur so kann Herbert Jerich als geschäftsführender Gesellschafter zumindest zwischen drei bis vier Millionen Euro als Werbeaufwand in die 99ers stecken.

Die „Mission“ des Hockey-Fans: Erstmals den österreichischen Meister-Titel (bereits geschehen) und den Titel in der 12er-Liga (Karl Nedwed Trophy) nach Graz zu holen. Die Gagen der 99ers-Stars sind die höchsten, die in Österreich je bezahlt wurden. Und auch sonst lässt sich Jerich sein „Präsident-Sein“ was kosten, um die Mannschaft und deren Stars in Spiellaune zu halten.

Mit dem 5:1-Heimsieg gegen den HC Pustertal gab es den von den Fans erwarteten fulminanten Auftakt. Heute (17.4.) kommt es im neuen Stadion in Bruneck (Südtirol) zum zweiten Finalspiel, in der auf maximal sieben Matches angelegten Serie. Mit Erich Falkensteiner (Miteigentümer der internationalen Hotel-Gruppe) als Präsident regiert dort ebenfalls ein neuer Hauptsponsor. Der mit seinen Sponsor-Millionen – wie Jerich in der Groß-Region Graz – Begeisterung im Pustertal für das Eishockey auslöst.

Aus dem Meisterrennen genommen hat sich der HC Bozen, der, ähnlich dem KAC, als Traditionsverein gilt. Aber finanziell derzeit mit der Liga-Spitze nicht mithalten kann.



Sieht sich schon als Sieger

Vor Selbstvertrauen, nicht zuletzt aufgrund seiner Millionen-Investition in die 99ers, strotzt natürlich Präsident Herbert Jerich. Im „Kleine-Zeitung“-Gespräch (13.4.): „Es wäre der erste einer Grazer Eishockeymannschaft seit 1978 …“. Jerichs Antwort darauf: „Und ich bin 1978 auf die Welt gekommen. Es scheint, als wäre ich geboren, um den Titel wieder nach Graz zu holen.“ (lacht) Also kein Zweifel, im Sinne von „nice to have …“

Für die Grazer Fans und die bereits eingeplante Siegesfeier in der Innenstadt, sicher ein nachhaltiges, historisches Erlebnis. Die Inszenierung erfolgt nach amerikanischem Vorbild. Jerich wohnte aus geschäftlichen Gründen zwei Jahre dort.

Trauben hängen hoch

Wer an die Zukunft denkt, der fragt sich allerdings unweigerlich: Was dann, wenn’s im einen oder anderen Jahr nur noch zum zweiten oder gar dritten Platz in der Liga reicht? Wer gleichsam zum Siegen verdammt ist, für den hängen die Trauben dann oft zu hoch. Trotz der vielen Sponsor-Millionen. Weil auch das Dabeisein in der Champions-Eishockey-League nicht vergleichbar mit den Millionen-Prämien im Fußball ist. Da gibt’s zwar viel (Reise-)Aufwand, aber wenig Geld für die Ehre. Der aktuelle Meister in der Champions Hockey League (CHL) Frölunda HC aus Göteborg erhielt als Sieger-Scheck gerade einmal knapp 400.000 Euro. Allein im Fußball-Champions-League-Finale gibt es 25 Millionen!

PS: Herbert Jerich pushte seinerzeit den TC Gleisdorf zwei Mal zum österreichischen Tennis-Meister, indem er dort für den Verein die best bezahlte Profis als Spieler einkaufen konnte. Danach hatte er als Tennis-Amateur für sein Ego und seine persönliche Eitelkeit offensichtlich genug getan. Auf die 99ers umgemünzt, hätten diese zumindest die Chance für zwei Meistertitel.


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