Steirische Jäger: „… nicht den letzten Bergrücken zupflastern“

Und: Ameisen schützen heißt auch Wild retten

Die meisten von uns denken im Zusammenhang mit Jagd vorrangig an das Abschießen von Hirsch, Gams und Co. Mit viel mehr Weitblick geht es der Jägerschaft um unsere Natur, die geschützt und erhalten werden muss, betonen heute einmal mehr der steirische Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau gemeinsam mit Landesrätin Simone Schmiedtbauer vor Journalisten.

Beobachten, gezieltes Steuern des Wildbestandes. „Wildmanagement ist keine liebgewonnene Freizeitbeschäftigung, sondern ein gesetzlicher Auftrag“, so der Landesjägermeister. Ziel sei es, das Gleichgewicht zwischen Mensch, Wildtier und Lebensraum in einer intensiv genutzten Kulturlandschaft zu sichern.“

Rund 25.000 Jägerinnen und Jäger übernehmen diese Aufgabe landesweit. Die steirische Jägerschaft agiere ähnlich wie die Freiwillige Feuerwehr – mit Funktionären und Jägermeistern in 2.500 Revieren. Großteils ehrenamtlich, aber mit professionellem Anspruch. „Mitten in der Nacht ein Verkehrsunfall mit einem Wildtier – wir sind zur Stelle.“

Natürliche Wechselwirkung lebenswichtig

Die Jägerschaft beschränkt sich auch nicht nur auf die jagdbaren Wildtierarten, sonder es gehören auch die kleinsten Lebewesen dazu. Mayr-Melnhof-Saurau nennt ein gemeinsames Ameisenforschungsprojekt mit der Universität Graz als Beispiel. Dabei geht es um die Untersuchung der Artenvielfalt von Waldinsekten in den heimischen Wäldern. „Die Wechselwirkungen zwischen Waldinsekten und unseren heimischen Wildtierarten sind nur teilweise bekannt. So hängt zum Beispiel der Bruterfolg von Auerhahn oder Birkhuhn wesentlich vom Vorkommen von Ameisen ab“, klärt der Landesjägermeister auf.

Konfliktzone: Windräder und Auerhähne

Großes Thema auch in der Jägerschaft sind Windkraftanlagen. Für die das Gebot der Stunde, für die anderen eine Belastung. Eine Situation, die für keine der beiden Seiten zufriedenstellend ist. Ganz abgesehen von der Optik. Franz Mayr-Melnhof-Saurau stellt außer Zweifel, dass es grüne Energie natürlich braucht. Aber: „Wir müssen aufpassen, wo wir diese produzieren. Wir können nicht den letzten Bergrücken mit großen Industrieanlagen zupflastern, sondern müssen auch auf ökologische Aspekte in diesem Bereich schauen.“

Denn leider sind die Orte, wo Windkraftanlagen entstehen, in den meisten Fällen auch Lebensräume von den rund 10.000 Auer- und Birkhähnen in der Steiermark. Grüne Energie dürfe keine ökologischen Notstände in sensiblen Lebensräumen produzieren. „Es braucht Ausgleichsflächen, die hier zu entstehen haben“, so der Landesjägermeister. Also „ja“ zu erneuerbarer Energie, aber „nein“ zu kompletter Zerstörung der Naturlandschaft.

Steinböcke zurück am Hochschwab

Eng mit der heimischen Bergwelt verbunden ist der Steinbock. Ende des 19. Jahrhunderts war Steinwild beinahe ausgerottet und überlebte nur mit rund 200 Tieren im heutigen Nationalpark Grand Paradiso. Alle heutigen Bestände gehen auf wenige Wiederansiedlungen zurück. Bei uns in der Steiermark leben aktuell wieder über 2.000 Tiere in acht weitgehend isolierten Populationen, wie Experte Hubert Zeiler anführt. Die meisten davon – etwa 1.000 – am Hochschwab. „Genetische Untersuchungen im Vorjahr zeigten die Notwendigkeit von sogenannten Blutauffrischungen. Dafür soll in Abstimmung mit der Universität Zürich teilweise Steinwild aus der Steiermark selbst verwendet werden, aber auch mit dem Kanton Wallis ist man bereits im Gespräch.“ Damit auch in Zukunft dieses edle Tier in unserer Bergwelt heimisch bleibt.

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