Wo steh’n unsere Ziegen?

Mit Satelliten-Navi sollen intelligente Halsbänder Almwirtschaft vereinfachen

Im Kärntner Mölltal ist Peter Lederer auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen und hat dort schon als Kind erlebt, wie viel Zeit die tägliche Kontrolle von Tieren auf weitläufigen Almen in Anspruch nimmt. Stundenlang nach Tieren zu suchen – das gehört bis heute vielerorts bis heute zum Alltag, weiß der 58-Jährige.

„Die Almwirtschaft ist für Österreich enorm wichtig – für die Landwirtschaft, den Tourismus und die Biodiversität“, so Lederer. Mehr als 320.000 Hektar Almfutterflächen werden in Österreich bewirtschaftet – eine Fläche, die rund siebenmal so groß ist wie Wien. Gleichzeitig gerät sie zunehmend unter Druck: Seit dem Jahr 2000 ist die landwirtschaftlich genutzte Fläche österreichweit um 14 Prozent zurückgegangen.

„Unser Ziel ist es, die Almbewirtschaftung mit moderner Technik einfacher zu machen. Wenn noch mehr Bauern damit aufhören, wäre das ein Problem für ganz Österreich“, betont Lederer. Gemeinsam mit seinen Söhnen Raphael und Jakob gründete er 2020 das Start-up ViehFinder. Während der Vater die Elektronik verantwortet, bringen die beiden Söhne ihr Wissen aus Wirtschaftsingenieurwesen, Maschinenbau und Physik ein.

Satelliten machen’s möglich

Das Grazer Unternehmen entwickelt ein digitales System, mit dem Landwirte jederzeit nachvollziehen können, wo sich ihre Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde befinden. Möglich machen das intelligente Halsbandsensoren, die ihre Position über das europäische Satellitennavigationssystem Galileo bestimmen und an eine App übertragen.

Bewegungsmuster und Sensorendaten

Die Entwicklung ist mittlerweile weit fortgeschritten und bringt auf der Alm konkrete Vorteile: „Landwirte wissen damit jederzeit, wo sich ihre Tiere befinden. Gerade auf großen Almen spart das viele Stunden Arbeit. Hirten und Almgemeinschaften können auf einen Blick kontrollieren, ob die Herde vollständig ist und wo sich einzelne Tiere aufhalten“, erklärt Lederer.

Im Rahmen des ESA-Inkubationsprogramms, angesiedelt in der Start-up-Schmiede Science Park Graz, entwickelt ViehFinder die Technologie weiter. Die neue Generation der Halsbandsensoren erfasst zusätzlich Bewegungsmuster und Umgebungsdaten.

„Dadurch kann das System künftig auch ungewöhnliche Situationen erkennen“, erklärt der Gründer. Bewegt sich eine Herde plötzlich auffällig, könnte dies auf einen Wolf oder Bären hindeuten – aber ebenso auf Wanderer mit Hunden, die Tiere aufschrecken. Bleibt ein Tier über längere Zeit regungslos, kann dies auf eine Verletzung hinweisen.

Derzeit werde diese Funktionen gemeinsam mit Landwirten in der Steiermark und Kärnten getestet. Die Markteinführung ist für Anfang 2027 geplant – rechtzeitig zur nächsten Almsaison ...

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