Zu Recht das Finale verpasst
Dazu musste man kein Experte sein, um das zu erkennen. Die Grande Nation Frankreich, amtierender Fußball-Vize-Weltmeister aus dem Jahr 2022 in Katar, war im Halbfinale gegen Europameister Spanien an diesem Tag chancenlos. Zu überlegen und nahezu perfekt zogen die Spanier ihr Tiki-Taka-System mit ständigem Positionswechsel der Spieler durch. Ob in der Verteidigung, im Mittelfeld oder im Angriff. Darauf fanden auch die Ausnahmekönner Mbappé, Olise und Dembélé keine Antworten, sprich Lösungen.
England wiederum ist nach der 1:0-Führung gegen Weltmeister Argentinien gescheitert, weil deren deutscher Coach Thomas Tuchel seinen „Three Lions“ – so werden die Engländer genannt – die falsche Strategie verordnet hat. Sich nicht weiterhin aggressiv nach vorne zu orientieren und Argentinien unter Druck zu setzen, sondern die Führung nach der 55. Minute praktisch nur noch zu verwalten und absichern zu wollen.
Dabei hätten die Engländer mit Rashford, Saka und wie sie alle heißen noch Weltklasse-Spieler auf der Reservebank sitzen gehabt, die am Ball alles können – pfeilschnell in die Tiefe spielen.
Doch die Engländer versuchten, im völligen Gegensatz zur ersten Spielhälfte, um ihren Strafraum mehr und mehr eine Festung aufzubauen und überließen Argentinien das Spielfeld.
Jeder Laie konnte sehen, wie Fußball-Messias Messi und Co., ohne wirklich rasch und kompromisslos gestört zu werden, gefährliche Maßflanken, Pässe in Richtung Strafraum spielten und damit eine Chance nach der anderen für einen Torerfolg hatten. Mit 2:1 stehen sie daher völlig verdient neuerlich im Finale der WM. Man konnte live miterleben, wie Thomas Tuchel dabei völlig ausrastete, sich nicht im Griff hatte.
Für das Ausscheiden im Halbfinale waren daher nicht Harry Kane oder Jude Bellingham auf dem Spielfeld verantwortlich, sondern ihr Coach Thomas Tuchel.
Tiki-Taka wird Weltmeister
Die Zweikampfstärke, verbunden mit der technischen Qualität der Argentinier macht sie so erfolgreich. Warum am kommenden Sonntag (19. Juli) aber dennoch die Spanier mit dem WM-Pokal jubeln werden, ist ihre Tiki-Taka-Spielweise. Frei übersetzt: Such’s Balli, mit ein Mal berühren, also möglichst viel Ballbesitz, egal, wo auf dem Spielfeld. Dies wirkt oft einschläfernd, aber nach der Philosophie der Spanier ist „Ballbesitz“ die beste Verteidigung. Und geht er verloren, dann versuchen drei, vier Spieler wie aufgescheuchte, wild gewordene Wespen, diesen dem Gegner wieder abzunehmen.
Keiner anderen Mannschaft gelingt es, durch ständiges Rotieren die Positionen zu wechseln und damit um den Ball eine Art „Schutzkreis“ zu bilden, ganz egal, wo auf dem Spielfeld und mit Spielern, wie Lamine Yamal, Fernando Torres oder Mikel Oyarzabal überfallsartig mit scharfen Pässen in die Tiefe durchzubrechen und den Gegner damit zu überraschen.
Mastermind Pep Guardiola
Perfektioniert hat das spanische Spielsystem Tiki-Taka Pep Guardiola. Vom (da und dort langweiligen) Ballbesitz-Fußball hin zum Hochgeschwindigkeitsfußball. Als Trainer von Barcelona hat er mit seiner Art, Fußball spielen zu lassen, über Jahre ganz Europa dominiert. Das war Anfang der 2010er-Jahre. Als er dann nach England zu Manchester City ging, hieß es, in England werde sein Stil nicht mehr funktionieren. Aber Guardiola adaptierte seine Philosophie, passte sie also an, stärkte die Defensive, machte Verteidiger zu Stürmern. Und siehe da: Keine Mannschaft spielte je spektakuläreren, offensiveren und zugleich technisch anspruchsvolleren Fußball als Manchester City zur Glanzzeit unter Pep Guardiola.
Der unvergleichliche Lionel Messi, heute 39, bei Barcelona als Fußballer so trickreich geworden, hat dieses Spiel Guardiolas in seiner DNA. Er ist Argentinier, aber spielt wie ein Spanier. Doch nur ein Messi wird am Sonntag Argentinien nicht reichen. Daher wird ihm sein Gegenüber, der 19-jährige Teenager Lamine Yamal, mit Spanien die Weltmeister-Krone nach einem harten, hochstehenden Fight entreißen.
JL
Lesen Sie auch:









Sei der erste der kommentiert