Jüdisches Leben in Graz

Erste große Ausstellung mit Fragen und Antworten

Graz erlangte als „Stadt der Volkserhebung“ in der Nazi-Ära einen zweifelhaften Ruhm. Die damalige Führung löschte mit ihren Verbrechen im Nationalsozialismus die kleine, aber blühende Gemeinde nahezu aus. Der Brand und die Zerstörung der Synagoge in der Kristallreichsnacht waren eine der schlimmsten Untaten der Nazi-Funktionäre.

Erst mit dem Wiederaufbau der Synagoge (2000) rückte diese Schandtat allmählich in den Hintergrund der neuzeitlichen Geschichte. Dadurch schufen das Land Steiermark mit dem damaligen Landeshauptmann Josef Krainer und Bürgermeister Alfred Stingl erst die Voraussetzung, dass Graz im Jahr 2001 zur „Stadt der Menschenrechte“ erhoben wurde und im Jahr 2003 den Zuspruch als „Kulturhauptstadt Europas“ bekam.

Kulturstadtrat Günter Riegler bei der Eröffnung der Ausstellung „Jüdisches Leben in Graz“ im Graz Museum in der Sackstraße: „Wir haben daher als Graz eine besondere Verantwortung im interreligiösen Dialog.“

Im Mittelalter lebten etwa 150 bis 200 Juden und Jüdinnen in Graz. Die „Judengasse“ wird erstmals 1261 erwähnt. Im Jahr 1910 erreichte die jüdische Gemeinde in Graz mit 1971 Juden und Jüdinnen ihre höchste Zahl. Das Rabbinat war für Steiermark, Kärnten und Krain zuständig.

Fast vier Jahrhunderte lang gab es kein jüdisches Leben in Graz. Juden und Jüdinnen war es 1496 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verboten, in Graz zu leben. Auch von 1940 bis 1945 gab es keine jüdische Bevölkerung, sie wurde von den Nationalsozialist:innen vertrieben und viele von ihnen wurden ermordet.

Heute hat die Jüdische Gemeinde Graz etwa 100 Mitglieder. Sie ist eine autonome Filiale der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und betreut die Steiermark, Kärnten und das Südburgenland.

Die Ausstellung gibt Antworten auf Fragen. Was bedeutet jüdisch sein und jüdisch leben in Graz? Das sichtbarste Zeichen nach außen eines männlichen Juden ist die Kopfbedeckung, Kippa genannt. Und wie bleibt sie auf dem Kopf? - fragt man sich. Entweder mit einer Haarklammer, mit einem Klebe- oder Klettband. Bei einigen bleibt die Kippa auch ganz von selbst auf dem Kopf. Auch nicht-jüdische Männer müssen in der Synagoge und auf dem Jüdischen Friedhof ihren Kopf mit einer (Leih-)Kippa bedecken. Seit einigen Jahren ist die Kippa auch ein weibliches Kleidungsstück, aber nicht verpflichtend.

Jüdisches Leben in Graz
Graz Museum Sackstraße
26. Oktober 20022 bis 27. August 2023

Kuratorin: Martina Zerovnik
Projektleitung: Bernhard Bachinger
Kuratorische Assistenz: Martin Hammer
Wissenschaftliche Begleitung: Gerald Lamprecht
Projektleitung Kulturvermittlung: Julia Baier
Projektsteuerung: Sibylle Dienesch
Ausstellungsgestaltung und -grafik: Robert Rüf & Larissa Cerny, Martin Embacher
In Zusammenarbeit mit der Jüdischen Kultusgemeinde Graz und dem Centrum für Jüdische Studien an der Uni Graz.

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