Künstler wollen stets das Besondere

Am Samstag, 21. Mai in Eggersdorf: am Römerhof von Franz Wuthe wird’s möglich

Das Wetter passt in den letzten Tagen für die Vernissage am Samstag. Es werden am Römerhof von Franz Wuthe in Eggersdorf bei Graz Wege und Ornamente ins hohe Gras gemäht, um Staffeleien und eine Sonnenuhr aufzustellen, an Bäumen Seile für das Aufhängen von Bildern gespannt, Leitungen verlegt, es wird geklopft, gekehrt und genagelt. Allein die Vor- und Aufbauarbeiten im Wald und auf der riesigen „Bühnen-Wiese“ des Römerhofs nahmen zwei Wochen in Anspruch. An die 40 Werke von internationalen Künstlern werden dort als Ausstellung in die „Natur gestellt und gehängt“. Der Aufwand für einen Tag ist gewaltig. Es geht um die prinzipielle Thematik, wie es zur Verknüpfung und zu den Übergängen zwischen Kunst und Natur gekommen ist und kommt.

Sol lucet, umbra docet – Die Sonne scheint, der Schatten lehrt“, nennt Kunst-Philosoph Božo Raič sein Werk. Ohne Sonne gäbe es keinen Schatten. Auch ein Bezug zu Johannes Kepler (das Weltgeheimnis), der 1630 in Regensburg verstarb, wird hergestellt. Einige seiner Grundgedanken haben das Wissen über den Himmel für immer verändert. Der „kosmische Poet“ hat in Graz, nur unweit von Eggersdorf, gelehrt, bevor er nach Prag berufen wurde. Gemeinsam mit der Fakultät der Botanik an der Universität Graz hat Božo Raič das Konzept im Rahmen des Projekts „natura-ars-scientia“ (Natur-Kunst-Wissenschaft) erarbeitet.

Umrahmt“ wird die Vernissage auch von einem Musik-Bildnis: Uraufgeführt wird die Brennnessel-Symphonie als Tribut an Franz Wuthe – sie ist dessen Lieblingspflanze –, der die Ausstellung auf dem Römerhof mit seinem Team ermöglicht.

Wir müssen uns gerade in diesen Tagen stärker mit den Übergängen zwischen Natur, Kunst und Wissenschaft beschäftigen“, so Ausstellungsinitiator Božo Raič, ein gebürtiger Kroate, der in Graz Kunstwissenschaft und Ethik promovierte. Er wurde auch als Vortragender und Essayist zur Biennale in Venedig eingeladen. Im Alltag eher oft geringschätzig als Unkraut bezeichnet, bietet die Brennnessel als einfache Pflanze für 50 Schmetterlingsarten (darunter auch der Admiral) eine wichtige Lebensgrundlage. „Jeder soll versuchen, aus seinem Handwerk auch Poesie zu machen“, ist der Kultur-Philosoph überzeugt, dass sich damit auch die Welt verändert. Mit seiner Frau Barbara Raič, einer international tätigen Malerin, bildet er ein Duo, das einander vortrefflich ergänzt.

Die Vernissage startet am Samstag zu Mittag mit einem Symposium und die gesamte Ausstellung ist für neun Stunden angesetzt – auch eine Symbolik, die auf die Pythagoräer Bezug nimmt. Für sie gab es „nur“ die Zahlen zwei bis neun.

Was dann, wenn’s regnet? Die entspannte Antwort von Božo Raič. „Die Natur macht ohnehin was sie will. Sie bleibt für uns Menschen immer ein Risiko.“

Kein Risiko gibt es für die 6. bis 9. Stunde. Denn da wird entspannt, wie es auch die alten Griechen beim Genießen von Kunst taten – gekocht, gespeist und getrunken. Etliches davon aus und mit Brennnesseln kreiert, geerntet auf der Brennnessel-Farm des Hobby-Bauers Franz Wuthe am Römerhof.

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