Whodentity – 55. Ausgabe des ORF musikprotokoll in Graz und in Ö1

6. – 9. Oktober 2022

Seit 1968 ist der Herbst jene Jahreszeit, in der Ö1 gemeinsam mit dem ORF Steiermark, dem steirischen herbst und zahlreichen anderen Kooperationspartnern aus Kunst und Wissenschaft im Sinne zeitgenössischer Neugier die Kräfte bündelt, kurz gesagt: Das Festival für Erkundungen des Neuen und noch Ungehörten, das musikprotokoll geht über die Bühne.

Viele Uraufführungen und eigens von Ö1 produzierte und in Auftrag gegebene Arbeiten finden in Graz und im Radio/im Netz Jahr für Jahr ihr Publikum. Heuer ist das Kunstwort „Whodentity“ das Festivalmotto, mit dem aktuell drängende Fragen nach Identitäten beleuchtet werden sollen. Wer ist „wir“? Welche Identität schreibt wer wem gesellschaftlich zu? Und wer ist „man(n)“ in einem bestimmten Kontext?

Für die Konzerte des musikprotokoll 2022 mit dem Ensemble Modern, dem Vokalensemble Cantando Admont und dem RSO Wien – inzwischen auch von einer Chefdirigentin geleitet – wollte man nach fast 55 Jahren gerade im strukturell konservativsten und immer noch stark männlich dominierten Genre, also dem klassischen Konzertsetting mit Orchester, mit Instrumentalensemble, mit Vokalensemble, das Steuer gänzlich herumreißen und ausschließlich Musik von Komponistinnen ur- und erstaufführen.

Am Pult des RSO Wien steht heuer mit Yalda Zamani eine Künstlerin, die auch jenseits des Dirigierens als Schöpferin experimenteller Performances hervorsticht. Die Werke für Orchester und Solistinnen, die sie in diesem Konzert uraufführt, stammen von der britisch-iranischen Künstlerin Shiva Feshareki, die als Turntable-Solistin auch selbst auf der Bühne steht, und von der kroatisch-österreichischen Komponistin und Veranstalterin Margareta Ferek-Petrić, deren Klavierkonzert von der österreichisch-rumänischen Pianistin Maria Radutu gespielt wird.

In der anderen Hälfte dieses Konzerts knüpft man an musikprotokoll-Traditionen an. Von Olga Neuwirth kommt als Auftragswerk ein Doppelkonzert für Violoncello und Schlagwerk zur Erstaufführung, dessen Cellopart Tanja Tetzlaff übernimmt. Und weil im Wort „Whodentity“ die Identität hinterfragt wird, steht noch ein Werk mit dem Titel identifications auf dem Programm. Es wurde 1970 komponiert und 1996 überarbeitet von jener Komponistin, die den berüchtigten Frauenanteil von 0,6 Prozent in dieser Zunft während der 1970er nahezu allein ausmachte: die 1928 in Zagreb geborene und 2012 in Wien verstorbene Luna Alcalay. Mit ihren identifications kommentiert sie posthum unser Motto Whodentity.

Beim ORF musikprotokoll im steirischen herbst gibt es neben klassischen Konzertformaten eine breite Palette von Veranstaltungen zu erleben: Installationen in Graz und auch als Onlineprojekte, Performances, Lectures, wissenschaftlichen Diskurs, Talks. Beispielsweise komponierte und forschte die Künstlerin Pia Palme drei Jahre lang am Zentrum für Genderforschung der Kunstuniversität Graz zu Komposition, Musiktheater und Feminismus aus der Position der Künstlerin. Dabei entstand unter anderem die vielbeachtete Anthologie Sounding Fragilities, die sie im Rahmen des musikprotokoll präsentiert.

Das musikprotokoll, das auch heuer wieder viele junge Künstler:innen in Zusammenarbeit mit dem europäischen Festivalnetzwerk SHAPE+ präsentieren wird, wird zur Gänze in vielen Ö1 Sendungen nachzuhören sein. Und ab 25. Oktober stehen außerdem viele Konzerte auf der Festivalwebsite als Dynamic Streaming mit Video und 3D-Audio zur Verfügung.

Hier finden Sie einen Programmüberblick

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