Absturz von Weltmarktführer Wollsdorf
Jahrzehntelang galt Wollsdorf Leder in der Oststeiermark als eines der international erfolgreichen Herzeige-Unternehmen der Steiermark. Auf den Autosalons in Paris, Genf oder Frankfurt zeigten sie ihre besten Produkte, statteten damit die exklusivsten Modelle und Luxuskarossen aus. Die Steirer galten in der Branche als Weltmarktführer. Ob Bentley, Aston Martin, Audi, Mercedes, VW, BMW, aber auch Tesla – alle kauften bis vor kurzem in Wollsdorf ein. „Jeder bekommt sein Leder“, so die Wollsdorf-Geschäftsführung.
Der Weltmarktanteil im Premium-Segment lag bei 50 Prozent. Insgesamt, um die Größenordnung zu erkennen, wurden in der Vergangenheit 12 Millionen Fahrzeuge im Premium-Segment produziert. 700 Mitarbeiter veredelten in Wollsdorf in einem technologisch aufwändigen Prozess zigtausende Rohhäute. 97 Prozent der Erzeugnisse gingen in den Export. 2017 baute Wollsdorf Leder ein neues Werk in Mexiko. Die Fertigung dort startete mit 150 Mitarbeitern ein Jahr später. Für die Region und das Land Steiermark ist die Insolvenz von Wollsdorf Leder wohl der „worst case“.
Erste Alarmsignale im September 2024
Die negativen Entwicklungen in der Automobilzulieferindustrie haben die Unternehmensgruppe schwer getroffen, so der AKV in seiner Aussendung, zumal man zu einem erheblichen Teil von Produktabrufen wesentlicher europäischer OEMs abhängig ist. Ab September 2024 ist es zu massiven Nachfragerückgängen gekommen. Auf den Umsatzrückgang konnte jedoch nur verzögert reagiert werden, sodass die laufende Fixkostenbelastung zu hohen laufenden Verlusten geführt hat.
Weiters kam es nach teilweisem Wechsel der Lieferanten infolge der Maul- und Klauenseuche in Ungarn und der Slowakei zu massiven Lieferengpässen, sodass die Materialeinsatzquote deutlich gestiegen ist und somit die Ergebnissituation negativ beeinflusst hat.
In den Insolvenzanträgen führt man aus, dass eine den erforderlichen Qualitätssicherungsstandards entsprechende, gewinnbringende Produktion künftig nur im Rahmen einer Verlagerung des Produktionsstandorts nach Mexiko möglich sei.
Eine infolge der Krise im Automotivbereich mit den finanzierenden Banken abgeschlossene Restrukturierungsvereinbarung wurde letztlich aufgekündigt, nachdem ein geforderter „Eigentümerbeitrag“ nicht in der von den Banken gewünschten Form beigebracht werden konnte. Folglich wurden die Finanzierungslinien durch die Banken fällig gestellt.
Anmerkung (nicht durch den AKV): Die Eigentümer-Familie Schmidt lebt in der Region Oststeiermark zurückgezogen.
Bei der Wollsdorf International GmbH handelt es sich innerhalb der Wollsdorf-Unternehmensgruppe um eine Holding Gesellschaft. Diese ist Alleingesellschafterin der Wollsdorf Komponenten GmbH, welche wiederum Alleingesellschafterin der in Kroatien ansässigen Wollsdorf Components d.o.o. ist, weiters ist man Alleingesellschafterin der Wollsdorf Leather Uruguay S.A..
Die Holdinggesellschaft ist weiters zu 90 % Gesellschafterin der WOLLSDORF LEDER SCHMIDT & Co. Ges.m.b.H., hinsichtlich derer ebenfalls ein Insolvenzantrag vorliegt, die ihrerseits wieder Mutter-bzw. Großmuttergesellschaft von in den USA bzw. China etablierten Gesellschaften ist.
Weitere Beteiligungen der Holding betreffen Gesellschaften in Mexiko.
Die Passiva betragen rund EUR 32 Mio. (Holding) bzw. rund 26,7 Mio. Euro (WLS). Es gibt 77 (Holding) bzw. 587 (WLS) Gläubiger und insgesamt 365 Dienstnehmer betroffen. Die Fortführung und Sanierung sind beabsichtigt. Die Sanierungspläne sehen eine 20%ige Quote binnen 2 Jahren vor.
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