Crazy, crazy! Echt abgefahren!
„Hände an die Tasten … Start!“ Ab jetzt ist ein Eingreifen der „Piloten“ verboten, dürfen die Modellautos nicht mehr berührt werden. Sie fahren selbstständig – OHNE Fernsteuerung! Immer zwei gegeneinander. Im KO-Modus. Ein Rundkurs auf ca. 6,5 Meter mal 3 Meter. Versehen mit Querbalken als Hindernissen. Eingezäunt mit einer Holzbande aus Pressspanplatten.
Mein Weg hat mich ins Audimax der Fachhochschule Joanneum in Graz-Eggenberg geführt, wo sich beim jährlichen Wettbewerb „Crazy Cars“ heuer 23 Teams aus Salzburg und Graz in einem Wettrennen selbstfahrender Fahrzeuge im Modellmaßstab 1:18 messen.
Hinter dem Wettbewerb am FH Joanneum in Graz steht das gleichnamige Projekt, das Kreativität und Wissen mit Begeisterung und Spaß an der Technik verbinden will. „Crazy-Car“-Organisator Florian Mayer: „Das aktuelle Thema motiviert Studierende und Schüler gleichermaßen, sich mit Elektronik, Computerarchitekturen und deren Programmierung auseinanderzusetzen. Dabei können Studierende ihr Wissen vertiefen und Schüler Erfahrungen mit dem Programmieren von Mikrocontrollern sammeln.“
Und ich muss schon sagen – auf den ersten Blick unterscheiden sich die meisten Modellfahrzeuge – einige sehen schon ungewöhnlich aus – rein äußerlich kaum von ihren ferngesteuerten „Artgenossen“. Es kommt eher darauf an, was sich unter der Karosserie verbirgt: nämlich eine äußerst durchdachte Elektronik und clever programmierte Mikrocontroller – die gemeinsam dafür sorgen, dass die Fahrzeuge sicher ins Ziel finden.
Aber wie kann das funktionieren?
Echt abgefahren, wie die Boliden ohne Eingreifen von außen über den Rundkurs flitzen. Andreas Fanninger vom Team „Marlboro Racing“ von der HTL Salzburg klärt auf: „Man hat immer irgendein ,Auge’. Bei uns sind es drei Sensoren in drei verschiedene Richtungen: vorne, links, rechts.“ Es gelte dann einen Algorithmus zu programmieren, dass das Auto durch die Strecke fährt. Salopp gesagt: „Wenn der linke Sensor mehr ,sieht’ und die Wand ,wegbricht’, dann wird da wahrscheinlich eine Kurve kommen und das Auto muss links abbiegen. Genauso wie es auch im echten Straßenverkehr ist.“
Die Infrarotsensoren senden ein Signal und messen, wie lange es dauert, bis dieses zurück kommt. Damit kennt das Auto den Abstand zur Bande und kann sich eben „ein Bild machen“, wo es hinfahren muss, erläutert er die Grundidee dahinter.
Wobei bei diesem Wettbewerb es so sei, dass jeder das andere Auto quasi „ignoriert“. Fanninger: „Man fährt so, als würde man alleine fahren. Das funktioniert am besten. Zumal das andere Auto da selten stört und nicht so großen Einfluss hat.“ Primär geht es nämlich darum, dass das Auto die Strecke sicher abfährt. Denn es gewinnt jenes Auto, das vor allem am sichersten alle drei Runden absolviert – und natürlich auch am schnellsten.
Und was ist, wenn das Auto gegen die Bande fährt?
Kann man programmieren, was es dann „tun soll“? „Ja, das kann man. Eine einfache Logik. Bei uns ist es so, dass, wenn der Sensor vorne die Wand mit sehr wenig Abstand ,sieht’, soll er ein bisschen zurück und dann wieder weiter fahren“, erklärt Fanninger.
In der Praxis funktioniert das nicht immer. Autos bleiben an der Bande hängen, stehen oder fahren in die falsche Richtung. Geschraubt und programmiert wird bis zur letzten Minute. Drei Tage lang wird trainiert. In letzter Minute noch „ein Code drauf gewürfelt“, wie ein Teilnehmer sagt. Es werden unendlich viele Stunden in die Entwicklung gesteckt. Von der Erstellung des Schaltplanes, wie alles verkabelt wird, vom Design der Platinen, über die Sensoren, den Motor, Lüfter bis hin zum Gehäuse.
Auch Improvisieren ist gefragt
„Gestern haben wir noch den Programmiercode anpassen müssen, weil das Gehäuse zu schwer war“, so David Eßl vom „Team Boreas“. Und das hat sich offensichtlich ausgezahlt, denn mit seinem Team der HTL Salzburg sicherte er sich den Gesamtsieg, vor dem Team „Gigadrive“ und dem Team „Bitstream Racing“, die beide vom Institut Electronic Engineering der FH Joanneum ins Rennen geschickt wurden. Der Wanderpokal geht somit nach Salzburg, denn im Vorjahr ging der Sieg an ein Team der FH Joanneum in Graz.
Ursprünglich kommt der Wettbewerb „Crazy Car“ übrigens aus der Schweiz, 2016 wurde er zum ersten Mal an der FH Joanneum Graz ausgetragen. Studierende und Schüler können in Teams oder als Einzelpersonen teilnehmen. Wobei der Studiengang „Elektronik und Computer Engineering“ die Teilnehmer mit seinen Mitarbeitern in allen technischen Belangen unterstützt – von der Beschaffung der Ausstattung bis zum Programmieren der Boliden.
Krönender Abschluss
Und dann wird’s richtig crazy – verrückt im wahrsten Sinne des Wortes. Den krönenden Abschluss bildet das Crazy Race. 23 Autos gleichzeitig auf dem Rundkurs. Chaos pur, könnte man sagen. (Massen-)Karambolagen und hängen gebliebene Fahrzeuge. Irgendwie geht alles drunter und drüber. Aber auf jeden Fall ein Highlight des Tages – und ein Spaß für die Zuschauer.
Zurück in der „realen Welt“ sitze ich auf der Rückfahrt in die Redaktion in der Straßenbahn – die „zum Glück“ (noch?) nicht autonom fährt ... IH






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