Masseblühen: Millionen Schneeglöckchen, Haseln, Erlen, Birken

Allergiker leiden, aber auch Bäume unter „Stress“. Gesunde Reaktion oder letzter Kraftakt der Natur?

Seit Tagen blühen entlang der steirischen Grenzmur von Spielfeld bis Sicheldorf die Schneeglöckchen – schätzungsweise 300 Millionen Blüten. Gleichzeitig öffnen sich Hasel, Erle und Birke mit einer bisher kaum gesehenen Fülle an männlichen Kätzchen. Im Süden der Steiermark und in geschützten Städten hat diese Blühwelle gerade begonnen. Für Allergiker bedeutet das eine lange Pollensaison, die durch spät blühende Grünerlen in den Bergen bis in den Sommer dauern wird.

„Abgesehen von den lästigen bis hin zu ernsthaften Allergien für Menschen ist das Massenblühen von Allergiepflanzen eine Folge des Klimawandels“, erklärt Johannes Gepp, Präsident des Naturschutzbundes Steiermark. Blühjahre, die früher nur alle paar Jahre vorkamen, treten nun immer häufiger auf. Nach dem Mastjahr 2025, in dem Hainbuche, Linde und Ahorn besonders stark fruchteten, hängen vielerorts noch immer die Samen des Vorjahres an den Ästen – manche Bäume wirken dadurch selbst im Winter wie belaubt.

Grund dafür ist die verlängerte Vegetationsperiode. Weil das Sommerhalbjahr mittlerweile drei bis vier Wochen länger dauert, können die Bäume mehr Energie speichern – genug, um schon im nächsten Frühjahr besonders viele Blütenstände auszubilden. Doch das geht nicht immer gut: „Manche Bäume sind dadurch im Frühjahr ausgezehrt und treiben weniger Blätter aus“, so Gepp.

Hinzu kommt der Wassermangel, der Blüte und Fruchtbildung zusätzlich belastet. Nach dem relativ feuchten Jahr 2025 könnte ein trockener Sommer heuer vielen Bäumen zu schaffen machen, die bereits durch die starke Blüte geschwächt sind. Ob das Massenfruchten eine gesunde Reaktion oder ein letzter Kraftakt der Natur sei, lasse sich noch nicht sagen, so Gepp. Auffällig sei jedenfalls die Schwarzerle, die heuer so stark blüht wie seit 50 Jahren nicht mehr – ein weiteres Anzeichen für die Erwärmung.

Unzählige Jungbäume erwartbar

Für die Entwicklung unserer Wälder wäre ein gesteigertes natürliches Samenangebot die dem Klimawandel entsprechend geeignetste Situation vorzubeugen. Bekannt ist aber auch, dass nach Mastjahren mit vermehrten Schädlingsauftreten zu rechnen ist. Außerdem stören zumindest regional viel zu hohe Wilddichten das Heranwachsen junger Bäume, die vom Wild insbesondere von Rehen beständig abgeknabberten werden.

Gepp: „Der Klimawandel bringt eine Unzahl neuer Situationen mit sich, die in vielen Bereichen ein Umdenken und neues Handeln erfordert.“

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