VinziNest feiert mit „Fest der Begegnung“ 30-Jahr-Jubiläum

Ab dem Jahr 2011 wurde das VinziNest, das 1992 als Notschlafstelle für „Schutzlose“ gegründet wurde, zum Zentrum des Widerstands gegen das generelle Bettelverbot – bis dieses 2013 gekippt wurde. Heuer, 30 Jahre nach seiner Gründung, feiert das VinziNest ein „Fest der Begegnung“ am 2. Oktober ab 10:15 Uhr in der Kernstockgasse 14 in Graz.

„Ich chaben Hunga“ stand auf dem Schild, das Sanyi Berki 1992 in der Hand hielt, als VinziWerke-Gründer, Pfarrer Wolfgang Pucher, ihm am Hauptplatz begegnete. Er gehörte einer Gruppe von Roma an, die aus der Slowakei anreisten und in Graz bettelten, weil ihre Familien in ihrem Heimatort Hostice hungerten. Wer nachts keinen Schlafplatz auf einer öffentlichen Toilette finden konnte, übernachtete im Auto – selbst bei klirrender Kälte. „Das durfte nicht sein. Am nächsten Tag schliefen sie im VinziNest“, erinnert sich Pfarrer Pucher.

Bettelverbot

Die frisch gegründete Notschlafstelle wurde zum „Schutz für Schutzlose“, wie die VinziWerke eine ihrer ältesten Einrichtungen noch heute bezeichnen. 2011 verschlechterte sich die Situation der Menschen, die seither regelmäßig im VinziNest übernachteten, dramatisch: Die steirische Landesregierung führte das generelle Bettelverbot in der Steiermark ein und nahm ihnen damit die Möglichkeit, weiterhin das Wenige, das sie bis dahin von Passanten erhielten, zu verdienen.

Protestzeit

Das markierte auch den Beginn des Widerstands, den Pfarrer Pucher, gemeinsam mit dem langjährigen VinziNest-Obmann August „Gustl“ Eisner, in Gang setzte. Es wurden mehrere öffentliche Kundgebungen gegen das Verbot organisiert und bald waren prominente Mitstreiter gefunden: Menschenrechtsexperte Wolfgang Benedek, der ehemalige ORF-Steiermark-Intendant Emil Breisach, der Theologe Philipp Harnoncourt, und Ex-SPÖ-Landtagspräsident Kurt Flecker setzten sich mit Pfarrer Pucher demonstrativ vor das Landhaus, um zu betteln. Die Aktionen zeigten Wirkung: Nach zwei Jahren und fünf Prozessen entschied der Verfassungsgerichtshof (VfGH), das Verbot per 10. Jänner 2013 aufzuheben. 

VinziNest in Zahlen

Seit seiner Gründung am 22. November 1992 verzeichnete das VinziNest 630.000 Nächtigungen. 2.150 Männer wurden insgesamt mit 440.000 Mahlzeiten versorgt. Rund 360 ehrenamtliche Mitarbeiter sicherten in 180.000 Stunden den Betrieb der Notschlafstelle.

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