Flüchtlings-Not-Camp mitten in Graz

Bei Roma-Großfamilien Totalversagen von Bund und Land. Anrainer: „Warum machen die nicht ihren Job?“

Sie hausen seit Wochen im Metahofpark in der Nähe des Hauptbahnhofs in Graz. Bei Schlechtwetter flüchten sie mit Sack und Pack – Matratzen, Pappkartons, Koffer, Taschen, also alles, was sie haben – in die Annenpassage und nächtigen dort. Es sind Roma-Großfamilien, die in Österreich um Asyl angesucht haben. Sie sollen aus der Ukraine kommen, sind dort eine Minderheit. Angeblich ist es in der Ukraine möglich, sich Personaldokumente und Papiere auch für Geld zu kaufen. Die langwierige Überprüfung ihrer Anträge durch das Amt für Fremdenwesen im Innenministerium läuft.

Üblicherweise werden Asylwerber für die Zeit ihres Verfahrens in Notunterkünften einquartiert. Da das Land Steiermark mit dem zuständigen FPÖ-Landesrat Hannes Amesbauer die Verträge mit den Hilfsorganisationen bezüglich der Notquartiere aufgekündigt hat und auch die „Not-Not-Quartiere“ überfüllt sind, stehen ca. 100 Personen tatsächlich obdachlos auf der Straße.

Flüchtlingsidylle im Park

Die Hygiene-Situation und der Aufwand für die Müllentsorgung im Park und um den Park verärgern nicht nur die Anrainer. Warum machen die Behörden, Polizei und die Stadt nicht ihren Job?, heißt es von diesen. Die Polizei hat ihren Streifendienst um den Bahnhof verstärkt. Bei Anrufen heißt es: Man kenne die Situation und habe die Daten der Betreffenden aufgenommen. Anrainer mögen sich aber an den Magistrat der Stadt Graz wenden. Von dort heißt es, für Asylwerber sei man nicht zuständig.

Es ist bizarr. Jeder andere Einheimische würde beim Campen im Park sofort die Ordnungswache der Stadt Graz „am Hals haben“ und auch von der Polizei aufgefordert werden, sich aus dem Park zu entfernen. Zumal es sich auch um eine Schutzzone handelt.

Weil sich der Bund in Wien und das Land Steiermark politisch nicht zumindest über ein rasches Provisorium verständigen und einigen können, müssen sich die Roma-Familien keine Sorgen machen, von einem Tag auf den anderen abgeschoben zu werden. Als Beobachter hat man das Gefühl, sie sind die Einzigen, die in dieser Situation entspannt wirken.

Da nun sogar Großzelte im Park aufgestellt wurden – aus humanitären und hygienischen Gründen nachvollziehbar –, zeichnet sich kein Ende ab.

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