Ohne Graz hat auch Lercher mit SPÖ keine Zukunft
Franz Voves blieb bei der Landtagswahl im Jahr 2015 überhaupt nur deshalb noch stimmenstärkste Partei, weil er in Graz (als Grazer) anders als auf Landesebene mit einer SPÖ-Stimmenmehrheit vor der ÖVP blieb und sich damit über die Ziellinie rettete. Das war der letzte wirklich entscheidende SPÖ-Erfolg in Graz: SPÖ 28 % / ÖVP 24 %. Wiewohl die einst so stolze SPÖ in Graz schon damals auf Talfahrt und in Schieflage war.
Wohl einmalig: In keiner anderen (Landeshaupt-)Stadt in Österreich verzeichneten die Sozialdemokraten einen solchen Niedergang von einer SPÖ-Hochburg in die politische Bedeutungslosigkeit. Innerhalb von nur zehn Jahren.
Die Nachfolger von Voves als Landesparteiobmänner – Michael Schickhofer aus Weiz und Anton Lang aus Leoben, also aus der Provinz – „ließen Graz Graz sein“ und sind daher mitverantwortlich für das nunmehrige Debakel der Genossen in Graz.
Die nun nach dem desaströsen Ergebnis zurückgetretene Doris Kampus war als Politikerin und Soziallandesrätin eine „Voves-Erfindung“. Anton Lang als Landesparteivorsitzender bis November 2024 ließ Kampus im Jahr 2022 zur Parteiobfrau und 2024 zur Spitzenkandidatin in Graz küren. Da wurde nicht über talentierte Nachwuchsköpfe nachgedacht oder diese gar aufgebaut, sondern nur die von den obersten Parteigremien vorgesetzten Personen ohne Diskussion übernommen. Wiewohl Kampus nie und nimmer das Zeug zu einer Spitzenkandidatin hatte. Die Schlussrechnung für dieses Vorgehen erhielt die steirische SPÖ am vergangenen Sonntag (28.6.) präsentiert (siehe unten).
Und reflexartig, natürlich einhellig das Ritual wie in der Vergangenheit. Interimsmäßig übernahm – praktisch einstimmig (!) – Hannes Schwarz, SPÖ-Klubobmann im Landtag, den Parteivorsitz. Er mag ein fleißiger und wichtiger „SPÖ-Binnenarbeiter“ sein, aber als Berufspolitiker ist Schwarz nicht mit der Aura eines Stimmenbringers und Siegertyps versehen. Und ohne ein solches Gen, einer Genossin oder eines Genossen, den unbedingten Zug zum Tor, gibt es keine Wiedergeburt der SPÖ in Graz. Bleibt Landesparteichef Max Lercher ohne wirkliche Chance, die SPÖ für die Grazer Bürger wieder attraktiv zu machen und sich persönlich damit erfolgreich.
Auf der Talfahrt
GR-Wahlergebnisse der SPÖ
2003: 25,89 %
2008: 19,74 %
2012: 15,31 %
2017: 10,05 %
2021: 9,53 %
2026: 5,63 %
Alle keine Siegertypen
SPÖ-Vizebürgermeister:
- Walter Ferk (2003 bis 2008, auch Parteivorsitzender)
- Martina Schröck (2013 bis 2016, Parteivorsitzende 2008 bis 2011)
- SPÖ-Stadträte
- Wolfgang Riedler (2003 bis 2010)
- Tatjana Kaltenbeck-Michl (2003 bis 2008)
- Elke Edlinger (2008 bis 2010)
- Karl-Heinz Herper (2010 bis 2011)
- Edmund Müller (April 2011 bis Dez. 2011)
- Martina Schröck (2010 bis 2016, 2011 bis 2016 Parteivorsitzende)
- Michael Ehmann (2016 bis 2017 Stadtrat, 2016 bis 2022 Parteivorsitzender)
2022 bis 2026: Doris Kampus Parteivorsitzende








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