Ab heute fährt 34-Meter-Bim „Theodora“ durch Graz

Namensgeberin und Taufpatin Theodora Acham war Vormittag bei Flexity-Premierenfahrt dabei. Sie war 1988 die erste Tramway-Lenkerin.

Großer Tag in der Remise Graz-Eggenberg mit der Premierenfahrt der ersten Flexity-Straßenbahn in Graz. Mit einer Besonderheit: Eine „Tradition“, die Holding-Graz-Vorstand Mark Perz von den ÖBB mitgebracht hat. Zum ersten Mal gibt es in der steirischen Landeshauptstadt eine Straßenbahn-Taufe mit allem, was dazu gehört. Als Anerkennung an die erste Bim-Fahrerin in Graz.

„Dienst an Kurbel“ für Frauen per Gesetz verboten

Im April 1988 waren Theodora Acham und ihre Kollegin Ingeborg Steiner die ersten beiden Frauen – ausgewählt von 250 Bewerbern –, die ihren Dienst bei den Graz Linien, damals noch Grazer Verkehrsbetriebe, angetreten haben. Demnächst wird es auch eine Bim „Ingeborg“ geben.

Bis Mitte der 1970er-Jahre gab es ein Gesetz, das für Frauen „den Dienst an der Kurbel wegen Gesundheitsgefährdung verboten“ hat.

Hilfsbereite männliche Kollegen

Theodora Acham blickt zurück auf die Anfangszeit: „Schon bei der Einschulung lernten wir im Dienstraum die männlichen Kollegen kennen – und das war angenehm“, hat sie keine negativen Erfahrungen gemacht. „Auch auf der Strecke, wenn du einmal aus irgendwelchen Gründen stehen bleiben musstest, gab es immer sofort Hilfe etwa vom Gegenzug (Anm.: entgegenkommende Straßenbahn).“

Herzliches Berufsleben

Lediglich an einen Fahrgast erinnert sich Theodora Acham, der damals nicht mit ihr mitfahren wollte – „Was? Da fährt eine Frau? Da fahre ich nicht mit!“ Aber das sei eher die Ausnahme gewesen. Insgesamt sei es ein „wirklich herzliches Berufsleben gewesen“ in den 25 Jahren, bis sie 2013 in Pension gegangen ist.

Damals „ein trauriges Spiel“, heute 33 % Frauen

Doch völlig anders eine Erinnerung von Horst Schachner, Zentralbetriebsratsvorsitzender: „Ich hab’ 1984 angefangen, die beiden – Dorli und Inge – so haben wir die beiden genannt – vier Jahre nach mir.“ Logischerweise waren die Medien scharf auf ein Foto mit ihnen und den männlichen Kollegen. „Und es gab Kollegen, die sich nicht mit einer Frau zusammen fotografieren lassen wollten. Es war ein trauriges Spiel.“ Heute ist das Geschichte. „Wir haben über ein Drittel Frauen bei uns beschäftigt.“

Der reguläre Einsatz der neuen Straßenbahnen ist übrigens auch heute gestartet. Aktuell verfügt die Holding Graz über acht Flexitiy-Garnituren, die nach und nach in den Fahrgastbetrieb übergehen – vor allem auf den stark frequentierten Linien 4 und 7.

Begeistert zeigt sich eine Gruppe von Kindergartenkindern, die bei der Premierenfahrt dabei sein dürfen:


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