Der Rosenkavalier in Graz
Jedes Mannsbild, das einem weiblichen Wesen Blumen überreicht, gilt als Kavalier der alten Schule. Sind es Rosen, dann ist dies die Perfektion der Wertschätzung oder Verehrung.
Vergangenen Samstag (9.5.) hatte „Der Rosenkavalier“ in der Grazer Oper seine viel umjubelte Premiere. Mit Standing Ovations für die Darsteller. Den Berichterstatter der „Kleinen Zeitung“ entzückte die Aufführung derart, dass seinem Bericht inhaltlich nur jene folgen können, die die Handlung seit Jugendtagen in sich tragen.
Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal
Der melancholische Welterfolg der heiteren Oper ist ein Höhepunkt der 23-jährigen, konfliktreichen Zusammenarbeit des österreichischen Dichters Hugo von Hofmannsthal (gestorben 1929, Wien) und des bayerischen Komponisten Richard Strauss (1949, Garmisch-Partenkirchen). Weitere gemeinsame Erfolge: Salome, Elektra und andere. Die Uraufführung des „Rosenkavalier“ gab es 1911 in der Hofoper Dresden. Die schwebenden Walzermelodien sind genauso eine historische Fiktion wie das zeitlose Gesellschaftsbild voller Überheblichkeit, Standesdünkel, kalkulierter Ränke und komplexer Amouren.
Als leichte Mozart’sche Spieloper, als heiteres Konversationsstück geplant, steckt der „Rosenkavalier“ dank Hugo von Hofmannsthal voller Lebenseinsicht und Schabernack. Strauss’ beliebte Walzer sind eine musikalische Projektion auf ein 18. Jahrhundert, in dem dieser Tanz noch weitgehend unbekannt war.
Nach Graz zurückgekehrt werden die ungarische Sopranistin Polina Pastirchak als Marschallin und Tetiana Miyus, ehemaliges Ensemblemitglied, als Sophie gefeiert. An ihrer Seite: Publikumsliebling Wilfried Zelinka als Ochs von Lerchenau.
Amourös und vielschichtig
Ort und Zeit der Handlung ist die Kaiserstadt Wien in den ersten Jahren der Regentschaft Maria Theresias (1740 bis 1780). Schon der Beginn ist amourös und damit zeitlos. In Abwesenheit des Feldmarschalls, ihres Mannes, hat die Fürstin Werdenberg eine Nacht mit ihrem Liebhaber, dem 17-jährigen Octavian Graf Rofrano verbracht. Im Schlafzimmer der Fürstin serviert ein kleiner „Neger-Page“ den zärtlich Verliebten das Frühstück. Lärm im Hof lässt die Fürstin zusammenschrecken. Erleichtert stellt sie fest, dass ein Besucher gekommen ist und nicht, wie befürchtet, ihr Gatte.
Rasch verkleidet sich Octavian als Zofe „Mariandl“, um so vorbei an den ankommenden und zahlreichen Bittstellern im Vorzimmer, unbemerkt zu entschlüpfen. Die „Zofe“ prallt dabei auf den derb hereinpolternden Baron Ochs aus Lerchenau, einen Vetter der Fürstin. Dieser lässt das niedliche Kammerkätzchen entkommen. Dem folgt ein vielschichtiges Versteck- und Verwirrspiel um Liebe und Heirat. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: junges Geld gegen alten Adel.
Die Sache geht aber gründlich schief, denn der titelgebende Brautwerber – gleichzeitig jugendlicher Geliebter einer alternden Marschallin – verliebt sich in die umworbene Braut und umgekehrt. Ein Werk, dessen Aktualität in der charmant-liebevollen Darstellung der komplexen menschlichen Verbindungen besteht, und darin, die Wahrnehmung von Zeit in einer bisweilen als Endzeit empfundenen Epoche zum Thema zu machen.
„Wenn Richard, dann Wagner; wenn Johann, dann Johann Strauss“
So heißt es in einem geflügelten Wort unter Musik- und Opernkennern. In diesen Tagen gibt es Feierlichkeiten anlässlich des Endes des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945. Am Heldenplatz in Wien kam es wie alljährlich zu einem „Fest der Freude“. Nur das Musikprogramm ließ davon wenig verspüren. Unter anderem beinhaltete es auch Kompositionen von Richard Strauss. Dieser war allerdings in der NS-Zeit vor allem als Präsident der Reichsmusikkammer tätig, also als ranghöchster Funktionär der von den Nationalsozialisten geschaffenen Musikorganisation.
Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin war Richard Strauss als Komponist und Dirigent der „Olympischen Hymne“ beteiligt. Er blieb daher in den Nachkriegsjahren umstritten in seinem Wirken. Der Walzerseligkeit im Dreivierteltakt in seiner Musik fehle das Authentische – nämlich das Wienerische, so Kenner.
Weitere Aufführungen:
Mi, 13.05.2026 um 18:00 Uhr
So, 17.05.2026 um 15:00 Uhr
Do, 21.05.2026 um 18:00 Uhr
Do, 28.05.2026 um 18:00 Uhr
So, 31.05.2026 um 15:00 Uhr
Vorstellungen bis Fr, 26.06.2026





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