„Blatt-Form“ für Literaturschaffende
„Der Rotahorn-Preis war auf jeden Fall eine schöne Anerkennung – gerade auch in Graz, wo ich ja jetzt schon sehr lange lebe. Es hat mich noch mehr verortet und auch mit Hans Roth bekanntgemacht, als wichtigen Kulturförderer in Graz“, spricht Nava Ebrahimi, Schriftstellerin aus Graz mit iranischen Wurzeln den ROTAHORN-Literaturpreis an, den sie bereits im Jahr 2020 erhalten hatte. Seit dem Vorjahr sitzt die vielfach ausgezeichnete Literatin – sie erhielt 2021 den Ingeborg-Bachmann-Preis – selbst in der Fachjury.
Der von Saubermacher-Gründer Hans Roth initiierte Preis wird in Kooperation mit der Literaturzeitschrift „manuskripte“ vergeben und bereichert seit 2011 die heimische Kulturlandschaft. „In der Steiermark und ganz Österreich gibt es viele Nachwuchstalente, die im Verborgenen schöpferisch tätig sind. Mit dem ROTAHORN möchten wir diesen Literaturschaffenden eine gesellschaftliche Blatt-Form bieten“, begründet Hans Roth sein Engagement.
Heute gab es die Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger. Hannah K. Bründl und Christoph Szalay überzeugten die Fachjury, bestehend aus den steirischen Autoren Nava Ebrahimi, Valerie Fritsch und Andreas Unterweger, dem Germanisten Julian Kolleritsch sowie den Kulturjournalisten Bernd Melichar, Christoph Hartner und Heinz Sichrovsky, von ihrem literarischen Können.
„Es haben die Väter gesagt.“
Hannah K. Bründl gibt den Opfern von Gewalt gegen Frauen ihre Stimmen zurück, setzt ihnen ebenso wütende wie berührende Denkmäler aus Sprache, heißt es in der Begründung der Jury. In Bründls Theaterstück „tender“, das 2026 im Schauspielhaus Graz uraufgeführt wurde, behandelt sie etwa die Alltäglichkeit dieser patriarchalen Strukturen, die allzu oft in schreckliche Verbrechen münden, wie zuletzt unweit des Aufführungsortes in Graz. Bründl beschreibt Theaterstücke, die nicht nur inszeniert werden können, sondern auch gespielt, und Gedichte, die man nicht nur loben will, sondern auch lesen.
Valerie Fritsch erhielt den ROTAHORN-Preis bereits 2014 verliehen. Auch sie sitzt mittlerweile in der Fach-Jury. O-Ton:
Begründung für Christoph Szalay:
Er bereichert die steirische Literatur seit Jahren von ihren Rändern her, so die Jury. Der ehemalige nordische Athlet aus dem Ennstal kombiniert in seinen Arbeiten, in denen Deutsch und Englisch ineinanderfließen, verschiedene Disziplinen wie Lyrik und Essay, Performance und Hörspiel, Popkultur und Wissenschaft. Die Texte des literarischen Langstreckenläufers versuchen nicht weniger die sich stetig verändernden Landschaften unserer Welt zu denken. Szalay fragt „nach den Leerstellen, der Stille, der Stummheit, die bleibt“.
Der als Förderpreis konzipierte ROTAHORN-Literaturpreis wird mit insgesamt 8.000 Euro dotiert. Die Preisträger werden am 11. November 2026 im Grazer Minoritensaal von Landesrat Karlheinz Kornhäusl und Stadträtin Claudia Unger ausgezeichnet.
Doppelte Freude zum Schluss
„Ich freue mich wirklich, wirklich“, reagierte Hannah K. Bründl, als ihr Hans Roth am Telefon die Nachricht über den Gewinn von einem der zwei Hauptpreise überbrachte. Und neugierig, wie eben auch Frauen sind: „Und wer hat den anderen gewonnen?“ Hans Roth: „Christoph Szalay.“ Ein Freudenschrei am Telefon: „Das ist ja mein Freund!“ Ungläubiges Staunen am Jury-Tisch über diesen Zufall.










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