Die Top-Verdiener
Die jährlich gesetzlich vorgeschriebene Veröffentlichung der ORF-Transparenzdatenbank mit ihren Gagen und Gehältern sorgt für Aufregung und ist immer ein Reibebaum. Weil sich daraus auch unweigerlich eine Diskussion über die Qualität der ORF-Programme entzündet. Besonders im Visier die Top-Verdiener des staatlichen Rundfunkunternehmens. An der Spitze – der Letzte in der Liste wird der Erste sein – steht Pius Strobl mit 468.856,32 Euro.
Name – Funktion – Jahresgehalt brutto
Hirschl Wolfgang – 1. Medienmeister 1. Kamera – 170.176,92
Pistek Alexander – Abteilungsleiter – 170.209,89
Mag. Dr. Tröbinger Thomas – Geschäftsführer Tochtergesellschaft, Gruppenleiter – 171.187,74
Mag. Karabeg Eva – stellvertretende Chefredakteurin, Leitende Redakteurin – 171.719,82
Niederkorn Adam – Leitender Redakteur – 171.962,82
Wöber Stefan – Herstellungsleiter – 174.434,68
Pfeifer Andreas – Leitender Redakteur, Korrespondent – 174.683,94
Settele Hanno – Moderator – 174.922,28
Matzek Thomas – Hauptabteilungsleiter – 175.148,79
Mag. Fida Alexandra, MBA – Gruppenleiterin – 176.376,60
Waleczka Robert – Leitender Redakteur – 177.021,84
Mag. Schenk Katharina – Hauptabteilungsleiterin – 178.564,51
Mag. Krenn Barbara – Hauptabteilungsleiterin – 178.564,51
Wagner Wolfgang – Leitender Redakteur – 180.010,09
Mag. Schneeberger Walter – Leitender Redakteur – 181.546,32
Dipl. Ing. Hetfleisch Alexander – Hauptabteilungsleiter – 183.311,73
Dr. Reissnegger Kurt – Hauptabteilungsleiter – 185.459,28
Mag. Pollach Stefan – Geschäftsführer Tochtergesellschaft, Hauptabteilungsleiter – 188.669,10
Knoll Andreas – Moderator – 190.611,87
Mag. Waldner-Pammesberger Gabriele – Hauptabteilungsleiterin, Chefredakteurin – 191.003,26
Mag. Prokop Sebastian – Hauptabteilungsleiter, Chefredakteur – 191.003,26
Mag. Gradistanac Doroteja – Hauptabteilungsleiterin – 191.648,29
Bruckenberger Johannes – Hauptabteilungsleiter, Chefredakteur – 193.227,14
Gastinger Martin – Hauptabteilungsleiter – 193.880,88
Mag. Pauser Michael – Hauptabteilungsleiter – 193.944,02
Andersch Michael – Hauptabteilungsleiter – 196.439,43
MMag. Zöchling Astrid, MSc, LL.B. – Hauptabteilungsleiterin – 198.634,33
Mag. Vospernik Cornelia – Geschäftsführerin Tochtergesellschaft, Leitende Redakteurin, Korrespondentin – 199.992,31
Traxl Martin – Hauptabteilungsleiter – 200.063,56
Mag. Szerencsi Martin – Hauptabteilungsleiter, Legal Advisor ESC – 202.066,71
Weinzettl Edgar – Landesdirektor – 205.174,39
Mag. Bürger Johann – Leitender Redakteur – 208.033,04
Dr. Bogad-Radatz Andrea – Hauptabteilungsleiterin – 208.163,34
Mag. Kastner Markus – Hauptabteilungsleiter, Prokurist – 208.749,76
Dott.ssa. Mitterstieler Esther – Geschäftsführerin Tochtergesellschaft, Landesdirektorin – 210.600,00
Mag. Totzauer Elisabeth – Hauptabteilungsleiterin – 211.183,52
Klement Markus – Landesdirektor – 213.038,99
Mag. Wehrschütz Christian – Leitender Redakteur, Korrespondent – 215.929,60
Hofer Alexander – Landesdirektor – 220.000,00
Obereder Klaus – Landesdirektor – 222.510,93
Mag. Herics Werner – Landesdirektor – 231.571,23
Bernhard Karin – Landesdirektorin – 236.101,39
Koch Gerhard – Landesdirektor – 240.631,53
Mag. Dr. Lusser Josef – Stabstellenleiter – 241.275,58
Dipl. Ing. Grill Norbert – Geschäftsführer Tochtergesellschaft– 247.327,14
Ing. Nöbauer Karl – Hauptabteilungsleiter, Prokurist – 249.886,86
Dr. Dujmovits Werner – Geschäftsführer Tochtergesellschaft, Hauptabteilungsleiter, Prokurist – 252.131,52
Mag. Langer Waltraud – Landesdirektorin – 265.561,69
Krön Michael – Hauptabteilungsleiter, Prokurist, Executive Producer ESC – 265.696,00
Ing. Mag. Dr. Kräuter Harald – Technischer Direktor, Prokurist – 270.270,00
Groiss-Horowitz Stefanie – Programmdirektorin, Prokuristin – 270.270,00
Thurnher Ingrid, MBA – Radiodirektorin, Prokuristin – 270.270,00
Mag. Biedermann Martin – Geschäftsführer Tochtergesellschaft, Hauptabteilungsleiter – 270.383,27
Hajek Michael – Geschäftsführer Tochtergesellschaft, Hauptabteilungsleiter – 271.871,13
Dr. Wolf Armin – stellvertretender Chefredakteur, Moderator – 275.390,89
Schindlauer Eva, BSc – Kaufmännische Direktorin, Prokuristin – 279.972,00
Mag. Wagenhofer Michael – Geschäftsführer Tochtergesellschaft – 283.028,42
Mag. Zierhut-Kunz Kathrin – Geschäftsführerin Tochtergesellschaft – 285.137,40
Schöber Peter – Geschäftsführer Tochtergesellschaft, Hauptabteilungsleiter – 311.964,24
Aigelsreiter Johannes – Hauptabteilungsleiter, Prokurist – 339.824,84
Mag. Weißmann Roland – Generaldirektor – 427.500,04
Prof. Strobl Pius – Hauptabteilungsleiter, Projektleiter Medienstandort – 468.856,32
So titelt Georg Taitl als Herausgeber des Magazin „Journalist:in“ und ORF-Kenner seinen Befund (Editorial 02/2026).
Der Journalismus im ORF funktioniert. Die Krise sitzt in den Führungsetagen. Wer kann das Haus neu ausrichten? Einen starken ORF braucht dieses Land dennoch.
In diesen Wochen kommen wir Journalisten nicht am ORF vorbei. Nicht in Redaktionen, nicht in Hintergrundgesprächen und schon gar nicht in der eigenen Selbstverortung. Denn die Krise dieses Hauses ist längst mehr als eine interne Angelegenheit. Sie ist ein Spiegel für die Branche. Was dabei auffällt: Wir reden fast ausschließlich über Personen. Über Rücktritte. Über Kandidaten. Über Machtspiele. Und viel zu selten über das, worum es eigentlich gehen sollte – Inhalte.
Dabei lohnt es sich, zuerst einen Schritt zurückzutreten. Die 1.380 Journalistinnen und Journalisten im ORF sind nicht das Problem. Im Gegenteil. Die überwältigende Mehrheit macht genau das, was ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk leisten soll: sorgfältigen, oft aufwendigen Journalismus. Dass sie nun kollektiv in den Sog einer Dauerkrise geraten sind, ist weder fair noch gerecht – zumal die Berichterstattung über die Krise im Haus selbst professionell und bemerkenswert sachlich erfolgt.
Die Probleme liegen bei den Entscheidungsträgern. Und auffallend oft bei einem sehr klassischen Machtmuster: Männer, Netzwerke, Abhängigkeiten. Dazu kommen Gerüchte über Drogenmissbrauch im Haus. Und trotzdem bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Warum reden wir so wenig über den Kern? Ist die Berichterstattung des ORF ausgewogen oder hat sie tatsächlich jene Schlagseite, die ihr immer wieder vorgeworfen wird? Erfüllt der Sender seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag noch in einer Form, die gesellschaftlich akzeptiert ist? Und wie belastbar ist das Konzept des Public Value, auf dem so vieles argumentativ aufbaut?
Michael Jungwirth formuliert es in seinem Essay in diesem Heft so: „Wie ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk organisiert wird, der im Dienste der Öffentlichkeit steht, bei den gewählten Volksvertretern angedockt ist, allerdings nicht im Würgegriff der Parteipolitik steckt, ist ohnehin die Schlüsselfrage.“
Das ist der eigentliche Befund. Nicht ein Skandal, nicht eine Personalie, sondern ein strukturelles Problem. Ein System, das politisch gebaut ist und sich gleichzeitig von Politik emanzipieren soll. Einen starken ORF braucht dieses Land dennoch. Vielleicht mehr denn je. Gerade weil sich Mediennutzung verändert, weil junge Zielgruppen längst andere Wege gehen und weil Vertrauen kein Selbstläufer mehr ist. Stärke entsteht durch Reform.
Die zentrale Frage bleibt daher: Wie lässt sich politische Einflussnahme zurückdrängen, ohne die demokratische Verankerung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu verlieren?
Vor diesem Hintergrund ist auch die Debatte um die künftige ORF-Generaldirektion zu sehen. Trotz ihrer enormen Erfahrung ist Ingrid Thurnher keine Selbstläuferin. Ihre Chancen hängen weniger von Kompetenz als von der Frage ab, ob sich in einem parteipolitisch geprägten Verfahren Integrität tatsächlich durchsetzen kann. Wir haben Clemens Pig auf das Cover gehoben. Das ist weniger ein Wagnis als eine Zustandsbeschreibung. Viele führende Medienmanager halten ihn für den ernsthaftesten Kandidaten als Generaldirektor. Für jemanden, der für Transformation steht.
Peter Plaikner beschreibt das in der Titelgeschichte so: „An Selbstbewusstsein sollte es dem Vorstand der Austria Presse Agentur nicht mangeln. Er führt die APA von einem Rekordergebnis zum nächsten.“ Pig habe die Agentur „vom Inhaltsanbieter und technologischen Dienstleister zum digitalen und KI-Vorreiter weiterentwickelt“. Das klingt nach genau dem Profil, das dem ORF oft fehlt. Gleichzeitig bleibt offen, ob Managementkompetenz und strategischer Weitblick ausreichen, wenn operative Fernseherfahrung fehlt. Sicher ist: Die Entscheidung ist eine Richtungsfrage.
Und schließlich betrifft die Krise auch die journalistische Praxis selbst. Die Veröffentlichung der Weißmann-Chats hat eine Debatte ausgelöst, die über den Einzelfall hinausgeht. Was ist öffentliches Interesse – und wo beginnt die Verletzung der Privatsphäre? Oliver Pink bringt in der „Presse“ das Unbehagen vieler auf den Punkt: „Man weiß nicht, ob das den Kollegen des ‚Falter‘ überhaupt bewusst ist: Sie haben einen Beitrag geleistet zur Zerstörung der bürgerlichen Existenz eines Menschen.“ Und er erinnert daran, dass Weißmann zu diesem Zeitpunkt „längst nicht mehr Generaldirektor des ORF“ war, sondern „nur noch Privatmann“. Das sind Sätze, die hängen bleiben. Weil sie einen wunden Punkt treffen. Journalismus lebt von Aufklärung. Aber er verliert an Glaubwürdigkeit, wenn er die eigenen Grenzen nicht mehr reflektiert.
KLIPP-Anmerkung:
Im Unterschied zu Georg Taitl halte ich die Chat-Veröffentlichungen in der Wochenzeitung „Falter“ sehr wohl als journalistisch notwendig. Weil nur diese privaten Chat-Nachrichten unwiderlegbar klarmachen – im Interesse der Öffentlichkeit –, was wirklich der Hintergrund für den Abtritt von Roland Weissmann als ORF-Generaldirektor war.
JL





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