Waffen unter dem Kopfpolster?

34 Prozent wollen mit Waffe ihre Familie im Ernstfall verteidigen können

Die Zahl der registrierten Schusswaffen in Österreich steigt weiter an – ein Trend, der auch die Steiermark fest im Griff hat. Aktuell sind landesweit über 1,56 Millionen Waffen, Zubehör und große Magazine im zentralen Waffenregister erfasst. Die Anzahl der legalen Waffenbesitzer hat sich auf rund 383.000 erhöht. In der Steiermark besitzen laut aktuellen Zahlen (Stand 1. Mai) des Innenministeriums 62.596 Menschen 239.194 Schusswaffen. Um 22.500 mehr (+7,4 Prozent) als noch im Jahr 2023.

Viele Waffenbesitzer nennen Unsicherheit vor Einbrüchen und Kriminalität als Grund. Mehr als die Hälfte fühlt sich laut einer Umfrage im Jahr 2024 durch steigende Kriminalitätsraten bedroht und sucht mit einer Waffe mehr Sicherheit. 34 Prozent der männlichen Waffenbesitzer gaben als Grund an, ihre Familie im Ernstfall verteidigen zu können.

Robert Siegert, Sprecher für den Waffenfachhandel im Bundesgremium der Wirtschaftskammer, sagt gegenüber der „Kleinen Zeitung“: „Schusswaffen sind nicht das einfachste Mittel, sich zu schützen, wenn man damit gut umgehen kann, aber das effizienteste.” Und die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass unter den Waffenbesitzern großes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten herrscht: Rund 80% sehen sich selbst als technisch versiert, treffsicher und in der Lage eine Schusswaffe im Ernstfall sinnvoll einzusetzen.

Was ist „sichere Verwahrung“?

Eigentlich sollten die Waffen sicher verwahrt werden, damit unbefugte Personen keinen Zugang bekommen. Die Praxis sieht allerdings häufig anders aus. Denn auch wenn 49 Prozent einen Tresor nutzen, setzen andere auf sehr unsichere Aufbewahrungsorte. 4 Prozent verwahren ihre Waffen sogar im Nachtkästchen bzw. im Schreibtisch und 8 Prozent unter dem Kopfpolster bzw. unter dem Bett, wie eine Studie des Fachbereichs Eigentumsschutz im KFV erhoben hat. 11 Prozent nutzen einen Gewehrhalter an der Wand und 13 Prozent lassen ihre Waffe durch eine andere Person verwahren bzw. lagern diese in einem anderen Haushalt. 20 Prozent vertrauen auf herkömmliche Schränke, wie etwa Kleiderschränke bzw. verglaste Waffenschränke, wobei diese meist relativ einfach zu überwinden sind.

Robert Grabovszki, Generalsekretär vom Verband der Sicherheitsunternehmen Österreichs (VSÖ) bemängelt, dass die „sichere Verwahrung“ im Waffengesetz nur unzureichend definiert ist und beispielsweise keine bestimmten Widerstandsklassen für Waffenaufbewahrungs-Behältnisse vorgeschrieben sind. Widerstandsklassen geben Auskunft darüber, wie lange sicherheitsrelevante Bauteile Einbruchsversuchen standhalten können.

„Aufgrund der schwammigen Vorgaben darf man sich nicht wundern, wenn jemand auch eine simple Blechkasse für eine ausreichende Schutzmaßnahme vor fremden Zugriff hält.“

Der VSÖ hat daher in Abstimmung mit dem KFV eine Richtlinie erarbeitet, die Empfehlungen enthält, um das passende Wertschutzbehältnis zur Aufbewahrung von Waffen zu finden und auch gesetzeskonform zu nutzen.

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