Wie weggeblasen
Das mehr als glückliche Unentschieden zum 3:3 – buchstäblich in letzter Minute – gegen Algerien löste bei den heimischen Fans logischerweise Begeisterung aus. Doch die Euphorie im Land über die WM-Teilnahme, wieder einmal nach 28 Jahren, war damit doch wie weggeblasen.
Gegen Europameister Spanien sind wir nach den gezeigten Leistungen in der Gruppenphase der krasse Außenseiter. Nach dem „Dahinstolpern“ gegen Jordanien und Algerien – Argentinien schien immer unbesiegbar – ist das verständlich. Keiner unserer Spieler überraschte mit einem außerordentlich guten Auftritt. Wie schon vor einer Woche gesagt: Unser Team ist gut, aber leider nicht gut genug für eine Sensation.
Diese liefern andere kleine Fußball-Nobodys wie Kap Verde, der Irak, Usbekistan. Und vor allem zeigen die Afrikaner gewaltig auf. Der schwache Trost: Holland und Deutschland sind auch schon nach Hause unterwegs oder bereits wieder in der Heimat. Was seltsam war, dass es wenig bis keine Schadenfreude über das Aus von Deutschland gibt. Gut so.
„Dummes Gedenken“
Unglaublich und ich sage bewusst als „dumm“ empfinde ich die Scheuklappen-Mentalität heimischer Sportreporter. Wurde doch im Vorfeld der WM das Tor von Hans Krankl zum 3:2 bei der WM in Argentinien im Jahr 1978 wieder und wieder gezeigt. Ein legendärer Sieg, heißt es. Was der Vollständigkeit meist nicht hinzugefügt wird, dass Österreich zu diesem Zeitpunkt – mit dem Sieg in Cordoba – praktisch aus der WM schon ausgeschieden war. Und uns nur die Genugtuung blieb, dass mit dem damaligen 3:2-Sieg auch die Deutschen die Heimreise antreten mussten. So etwas als „Heldentat“ zu feiern, über Jahrzehnte – das passiert nur in Österreich.
Die Norweger sind diesmal auch nach 28 Jahren wieder bei einer WM. Sie haben bis jetzt schon ungemein starke Spiele abgeliefert, sind bereits im Achtelfinale, spielen am Sonntag (5.7.) gegen den fünfmaligen Weltmeister Brasilien – und halten den Ball, wie man sagt, dennoch flach.
Uneingeschränkt faszinierend sind die TV-Bilder aus den Stadien. Derart tolle Fan-Arenen und eine solche bisher wohl einmalige Kulisse bei der WM wird es in absehbarer Zukunft nie mehr geben. Und schon deshalb sollte man als Fan kein Spiel – egal ob von der Wohnzimmercouch aus oder beim Public Viewing – versäumen. Schade, dass es am 19. Juli beim Finale in New York nur noch einen Sieger geben kann.
JL








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