Neuer steirischer ORF-Stiftungsrat: Top-Journalist Ernst Sittinger – Kompetenz und parteifern
Bis vor zwei Wochen war der von FPÖ-Landeshauptmann Mario Kunasek – er war auch von ihm ausgewählt worden – hoch gelobte Thomas Prantner der offizielle Vertreter des Landes Steiermark im 35-köpfigen ORF-Stiftungsrat. Kunasek stärkte ihm nach Vorwürfen um seine Unabhängigkeit (Prantner ist PR-Berater) sogar noch den Rücken. Seine Arbeit sei im Interesse aller Steirer sehr gut.
Bis nur zwei Tage später die Oppositionsparteien SPÖ, Grüne, Neos und KPÖ gemeinsam vor Journalisten erneut die Ablöse Prantners forderten und mit weiteren Aktivitäten im Landtag drohten. „So schnell kann das in der Politik gehen“, berichtete KLIPP darüber. Schon einen Tag später informierte Thomas Prantner seinen „Schirmherr in dieser Sache“ darüber, sein ORF-Mandat als Stiftungsrat zurückzulegen.
Eine bessere Wahl
Bekannt geworden war im Februar dieses Jahres, dass Top-Journalist Ernst Sittinger, Mitglied der Chefredaktion in der „Kleine Zeitung“, diese verlässt. Es gab immer wieder Anmerkungen, auch aus dem Kollegenkreis, dass Sittinger sich mit diesem Gedanken trägt. Er war ja auch über viele Jahre „Betriebsrat“, also Belegschaftsvertreter, dort. Die logische Folge aufgrund der Entwicklung in den Printmedien waren Arbeitskonflikte durch die vom Vorstand geforderte Neustrukturierung der Redaktion. Nicht überraschend, dass die Belegschaftsvertretung dagegen auftrat.
Der „frei gewordene“ Top-Journalist Ernst Sittinger: „Ich freue mich auf diese interessante Aufgabe. Sie ist angesichts der aktuellen Lage im ORF mit noch höherer Verantwortung verbunden. Ich werde sie sorgfältig, sachgerecht und überparteilich im Interesse der steirischen Bevölkerung wahrnehmen“, sagt der designierte Stiftungsrat.
Der parteifreie Steirer Ernst Sittinger ist promovierter Jurist und einer der anerkanntesten Journalisten Österreichs. Zuletzt war er 20 Jahre für die „Kleine Zeitung“ tätig, u.a. in der Chefredaktion und als Ressortleiter Wirtschaft. Davor waren seine beruflichen Stationen bei „Die Presse“ sowie „Der Standard“.
Sein journalistisches Wirken brachte ihm zahlreiche Auszeichnungen ein, etwa den renommierten Kurt-Vorhofer-Preis.
FPÖ-Landeshauptmann Mario Kunasek und ÖVP-Vize Manuela Khom zeigen sich vom getroffenen Lösungsvorschlag logischerweise angetan: Ernst Sittinger werde als Medienprofi mit Scharfsinn im Stiftungsrat seinen Beitrag zur Erneuerung im ORF leisten.
Pointierte Sprache und scharfe Zunge
KLIPP hat vor Jahren wiederholt über Sittingers fundierte, gut verständlich formulierte, aber auch scharfzüngige Analysen und Kommentare zur österreichischen Innenpolitik und dem Wirtschaftsgeschehen berichtet. Auch über seine zweite Leidenschaft neben dem Journalistenberuf: das Kabarett.
Sittinger pirscht sich als Kabarettist nicht an seine Zuhörer heran, er kommt, kaum auf die Bühne getreten, sofort zur Sache. Er umarmt sein Publikum nicht liebedienerisch, sondern lockt es mit Zuckerbrot und Peitsche, macht es gefügig und willig, agiert wie ein guter Koch, der sorgsam die Zutaten seiner Speisen wählt. „Erste Anfänge als Kabarettist gab es bei mir bereits in den 90er-Jahren mit den Wunderwuzzis“, so Ernst Sittinger.
„Mich quälen täglich Einfälle“, schildert er das Zustandekommen seines Programms. „Es soll nicht arrogant klingen, aber ich habe Stapel von Büchern zu Hause, weil ich alles, was mir da so einfällt, aufschreibe. Natürlich ist beileibe nicht alles witzig, und es ist eine schmerzliche Erfahrung, dass alles, was banal ist, wesentlich leichter und besser ankommt, als wenn was komplex ist.“
Da wird gelacht
Einige Pointen aus der seinerzeitigen KLIPP-Reportage:
Hintergründiger Wortwitz des begabten Beobachters. Das beste Mittel gegen Jugendarbeitslosigkeit ist Kinderarbeit.
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ÖVP-Chef zu sein, das ist eine permanente politische Nahtod-Erfahrung. Drum sind das ja immer Katholiken! Anders hältst du das gar nicht aus!
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Aus jedem ordnungsgemäß entsorgten Minister kann man einen tadellos wiederaufbereiteten EU-Kommissar machen.
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Fürs Abhören gibt es inzwischen einen eigenen Feiertag: Maria Empfang..., äh, Empfängnis. Und für Politiker gibt es auch einen Feiertag: Maria Ge-Fängnis.
In der Kirche wird sogar für das Abhören gebetet! Dort heißt es immer: Herr, Obama dich unser! Wir bitten dich, ab-höre uns!
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Ab dem Zeitpunkt der Hochzeit dürfen Sie sich vom Leben gar nichts mehr erwarten. Da müssen Sie mit allem abgeschlossen haben. Drum heißt es ja Ehe-Schließung! Und drum ist die Ehe das letzte Sakrament vor dem Tod. Der Ehepartner ist sozusagen nicht der Lebensabschnittspartner, sondern der Lebens-Abschieds-Partner.
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Zu meiner Studentenzeit hat man unter „Unisex“ was anderes verstanden.
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Als Mann bin ich ja von Geburt an nur der Böse. Ich bin ein weißer Mann, ich bin ein deutschsprachiger, europäischer, vollbeschäftigter Steuerzahler – auf gut Deutsch ein Volltrottel.
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Ich habe bei Google nachgeschaut, was eine Dragqueen ist – ein Mann, der nach Aussehen und Verhalten eine Frau darstellt. Wenn es nach dem ginge, dann müsste der Faymann auch eine Dragqueen sein. Und der Mikl-Leitner zum Beispiel – ach so, das ist ja eine Frau …
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Die Conchita – das ist der Ausweg aus der Sackgasse Mann.
Lesen Sie hier die ganze Reportage:





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