Freiwillige Feuerwehrfrau im Südsudan

Alexandra Schuster, Kfz-Mechanikerin, über ihre Einsätze für „Ärzte ohne Grenzen“

„Das viele Grün hier bei uns, das Wasser und die Jahreszeiten, das schätze ich jetzt alles wieder viel mehr“, erzählt Alexandra Schuster, 31, im KLIPP-Gespräch nach ihrer Heimkehr aus dem Südsudan. Von Jänner bis August dieses Jahres war die gebürtige Steirerin zum zweiten Mal für „Ärzte ohne Grenzen“ im Einsatz.

Und die Gründe dafür? „Es war in meiner Schulzeit schon mein Traum, später als Kfz-Mechanikerin Feuerwehrautos zu reparieren, ich bin ja später auch zur Freiweilligen Feuerwehr gegangen“, blickt sie zurück. Nach der Kfz-Mechanikerlehre am Flughafen Wien führte sie ihr Beruf hinaus in die Welt.

„Ich war in Brasilien, Kolumbien, Mongolei, Südkorea, Australien, Vietnam, und, und. Dort eben vor allem um Feuerwehrautos zu servicieren. Einige Male arbeitete ich auch in Afrika und habe dort auf den Flughäfen Mitarbeiter der einzelnen humanitären Hilfsorganisationen getroffen. Und so ist die Idee entstanden, auch einmal länger in einem Land zu bleiben und mich näher damit auseinanderzusetzen, auch etwas Nützliches zu machen.“

Gleichsam ihr Einstieg war das „Ärzte ohne Grenzen“-Magazin „Diagnose“, das sie abonniert hatte. „Dort fiel mir eine Annonce auf, dass Techniker gesucht werden, worauf ich mich beworben habe.“ Nach einem längeren Prozess mit Formalitäten und einem Aufnahmetag in Wien freute sie sich schließlich über die Zusage, dass sie von März bis September 2018 in den Südsudan gehen könnte.

„Bei meiner Firma habe ich um unbezahlten Urlaub angesucht und auch bekommen. Als Vorbereitung habe ich viele Bücher gelesen, mir Dokumentationen angeschaut und mich über den Südsudan informiert.“ Es ist seit 2011 ein eigenständiges Land – fast zwei Mal so groß wie Deutschland mit nur 13 Millionen Einwohnern. „Also ein klassisches Gebiet für humanitäre Hilfe.“

In vielen Landesteilen fehlt praktisch eine medizinische Versorgung. Im abgelaufenen Jahr betreute „Ärzte ohne Grenzen“ insgesamt 16 Projekte landesweit. Dabei wurden 56.200 Patienten stationär behandelt, bei 14.300 Geburten geholfen und 7.540 größere Operationen vorgenommen.

Mit einem Vorurteil räumt Alexandra Schuster auf: „Bei meinem Einsatz war alles viel undramatischer als ich vorher befürchtet hatte. Die Leute rennen nicht mit Waffen herum“, erzählt sie. „Also, es gibt Autos, in der Hauptstadt Juba asphaltierte Straßen und fließendes Wasser – so einigermaßen wie bei uns.“

Alexandra Schusters Aufgabe war verantwortungsvoll

„Ich war als ,flyingmechanic‘ tätig, also für das Flottenmanagement zuständig – das heißt, welche Autos wir brauchen, dass diese serviciert werden, welche Motorisierung notwendig ist, usw. Ich habe nicht, wie zuerst gedacht, selbst an Autos rumgeschraubt. Die Reparaturen machen lokale Mechaniker, denn das Team von ,Ärzte ohne Grenzen‘ besteht immer zu 90 Prozent aus lokalen Mitarbeitern und zu 10 Prozent aus internationalen“, erklärt sie. „Schlüsselpositionen werden eben mit internationalen Mitarbeitern besetzt, nicht zuletzt weil es im Südsudan ja bis 2018 Bürgerkrieg gab und wir als internationale Mitarbeiter eben neutral sind.“

Die größte Herausforderung – vor allem am Anfang – sei ganz klar das Wetter gewesen. „Es ist dort einfach irrsinnig heiß, hat schon im Jänner 45 Grad und der Körper ist total geschwächt. Die Hitze macht dich fast a bisserl deppat, du denkst, das schaffst du nicht. Aber dein Körper gewöhnt sich dann daran“, erzählt Alexandra Schuster. Außerdem sei es für sie als Vegetarierin auch ungewohnt gewesen, dass das Essen „limitiert“ war.

„Klarerweise haben wir schon genug zu essen gehabt. Da wir sehr abgelegen an der Grenze zu Äthiopien stationiert waren, bekamen wir nur alle zwei Wochen unsere Essensrationen mit dem Flugzeug geliefert. Dort in der Gegend gibt es ganz wenig Landwirtschaft und man kann lokal kaum etwas zu essen kaufen. Es gab viel Reis und Bohnen am Speiseplan, aber mir hat halt ein bisserl die Abwechslung gefehlt, sodass ich dann auch zehn Kilogramm abgenommen habe“, blickt sie zurück.

Bei ihrem zweiten Einsatz im Südsudan in diesem Jahr war sie als Logistikerin tätig. „Für mich bedeutete das, für sämtliche technische Belange in unserem Projekt zuständig zu sein – Fahrzeuge, Strom, Bauarbeiten, Equipment, Holzarbeiten, Regale, usw., und auch für das Budget. Ich musste im Voraus planen: Brauchen wir mehr Strom? Brauchen die Ärzte mehr Kühlschränke für mehr Medizin und Impfungen? Besorgen wir eine größere Klimaanlage für die Apotheke?“

Für rund 60 Mitarbeiter im technischen Bereich trug sie die Verantwortung – dazu gehörten Fahrer, Mechaniker oder Wachpersonal. Für sie als Logistikerin gab es dann auch keine 8-Stunden-Tage, sondern „da arbeitest du schon viel mehr. Du bist so etwas wie ein Mädchen für alles – und das fast rund um die Uhr. Aber das macht auch nichts, denn man ist ja in einem Team und wohnt auch gemeinsam mit den Medizinern, Krankenpflegern und Hebammen. Die haben auch keinen geregelten Tagesablauf. Eine Hebamme weiß ja vorher auch nicht genau, wann das Baby zur Welt kommt“, lächelt sie.

Und möchte sie wieder in den Südsudan? „So schnell nicht“, stellt sie klar. „Aber vielleicht irgendwann einmal woanders hin. Jetzt möchte ich einmal einige Jahre zu Hause bleiben.“

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