Slowenien – Vielfalt im Kleinen

Ein Streifzug durch alte Kulturstädte. Bis ans Meer. Mit vielen Aha-Erlebnissen.

Ein Land, eine Region, eine Stadt beginnt man als Besucher erst richtig zu spüren, wenn es ans Essen und Trinken geht. Mit dabei in einer kleinen Journalistenrunde auf einer mehrtägigen Tour durch den Westen Sloweniens von Jesenice bis an die Küste nach Koper, Piran und Portorož gab es jeden Tag Aha-Erlebnisse.

Das kleine Slowenien überraschte uns. Unser südlicher Nachbar – mit seinen 20.273 Quadratkilometern und knapp 2 Millionen Einwohnern ist nicht viel größer als die Steiermark und Burgenland zusammen.

Es sind die lokalen Spezialitäten, die oft an die altösterreichische Küche erinnern. Wie zum Beispiel die Idrijski Žlikrofi . Das sind Teigtaschen, gefüllt mit Kartoffeln, Speck, Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Schnittlauch und Majoran. Der Legende nach sollen sie mit einer deutschen Bergbau-Familie nach Idrija gekommen sein, die Beschäftigung im dortigen Quecksilber-Bergwerk fand. Die Rezeptur ist europaweit geschützt.

Ein Žlikrof ist wie das Leben: aus einfachen Dingen muss man etwas Köstliches machen – heißt es in Slowenien. Nur eine Autostunde südlicher gedeiht in der Karstregion der legendäre Rotwein Refosco – kredenzt zu gegrillten Meeresfi schen, zubereitet mit hochwertigem Olivenöl von lokalen Produzenten. Die, wie das Familienunternehmen Lisjak, auch Picknickfahrten in Jugo-Oldtimern in ihre Olivenhaine oder auch nach Lipica zu den weißen Pferden anbieten.

Da gibt es aber auch engagierte Gastronomen, die auf Ihrer Speisekarte Gerichte mit Fleisch, Schinken, Wurst, Gemüse, Marmeladen usw. aus ihrer Nachbarschaft anbieten. Zwei Geheimtipps dazu: Das Boutique-Hotel Kendov Dvorec in Idrija oder der hippe Genießer-Treff, das Dzungla in Koper mit einheimischen Kreationen.

Von seiner Landschaft her – viel Wald, vor allem im Norden, enge Täler, kurvige Straßen, wo es rauf und runter geht und versteckte, kulturelle Kostbarkeiten, paradiesische Natur wie z.B. im Triglav-Nationalpark – ähnelt Slowenien Österreich. Nur beim Thema Meer müssen wir Österreicher passen. Auch wenn es nur ein 47 Kilometer langer Küstenabschnitt ist, hat dieser aber viel Geschichte und die bekannten Orte Koper, Piran, Portorož und Isola. Zur Zeit der Habsburg-Monarchie gehörten sie zeitweilig „zu uns“. Und vieles erinnert heute noch daran.

Klein zu sein, hat auch Vorteile. Die Bewohner der Region Ljubljana können nach einer guten Stunde Autofahrt Meeresluft atmen oder im Winter zum Sport eines der 15 Skigebiete erreichen. Selbst aus Maribor ist man schon nach zwei Fahrstunden am Meer.

Zigtausende Urlauber zieht es in den Sommermonaten bis in den Spätherbst hinein von Norden über Kärnten oder Triest kommend oder vom Osten her über Maribor an die Adria. Und ihnen entgehen historische Freizeitperlen des kleinen Slowenien, abseits von Autobahnen und Schnellstraßen. Sie heißen zum Beispiel Trzic, Radovljica, Kranj, Kamnik, Skofja Loka, Idrija. Weil wir das malerische Bled mit seinem See – wohl das europaweit bekannteste slowenische Touristenziel – schon kannten und auch die Höhlen von Postojna, standen diese beiden Attraktionen nicht auf unserer Road-Map. Unser Ziel waren die versteckten, Jahrhunderte alten Kulturstädte in Nord- und Westslowenien.

Das kleine Radovljica – nur 20 Kilometer südlich der Kärntner Grenze – mit einer geschmackvoll renovierten Altstadt ist eine solche „antike Perle“. Mit einem großen Bienen-Museum, das seinesgleichen sonstwo in Mitteleuropa nicht zu finden ist. Im benachbarten Begunje hat „Elan“ seinen Sitz – das bekannteste Unternehmen Sloweniens für vorwiegend Wintersportartikel.

Auch das berühmte Oberkrainer Quintett von Slavko Avsenik hat dort sein Zuhause und eroberte die Musikwelt. Nur eine halbe Stunde südlich davon liegt Kranj. Früher einmal Industriestadt, 30 Kilometer von Ljubljana entfernt, daher eine beliebte Wohngegend, punktet Kranj heute bei Besuchern als Kulturhotspot – mit einer belebten Altstadt und einem unterirdischen Tunnelsystem
aus der Kriegszeit.

Wer als Gast Thermalwasser aus Wellness- oder gesundheitlichen Gründen sucht – wir machten einen Stopp in der Therme Snovik –, der findet im Binnenland, versteckt zwischen Hügeln und Tälern, eine Vielzahl an Thermen.

Auf unserem Streifzug durch das westliche Slowenien besuchten wir auch Kamnik und das dortige jahrhundertealte Franziskanerkloster. Skofja Loka wird von der Lage seiner Altstadt her und wegen seiner Passionsspiele, die alle vier Jahre stattfinden, vor allem – wie soll es anders sein? – von US-Touristen besucht.

Der wohl größte Gegensatz begegnet Besuchern in der ehemaligen Bergwerkstadt Idrija. Über Jahrhunderte wurde dort bis in die späten 1980er-Jahre im großen Stil Quecksilber abgebaut. Schaustollen geben noch heute Zeugnis davon. Die Arbeit im Berg war ungesund und schwer, die Winter lang. Die Frauen „nützten“ diese Zeit und entwickelten das Klöppeln zu einem wahren Kunsthandwerk.

Beim Klöppeln werden die Fäden von mindestens zwei Paar Klöppeln durch Kreuzen und Drehen der Klöppel miteinander verflochten. Dabei entsteht feinste Spitze aus Handarbeit. Und das mit einer Geschicklichkeit und Geschwindigkeit, die fast wie Zauberei aussieht. Ich habe das Ganze nicht durchschaut. Aber das passiert einem ja öfters im Leben ...

JL

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