Hochaltrigenstudie: Ein differenziertes Bild des Alters

​ In der Steiermark sind rund 6,5 Prozent der Bevölkerung über 80 Jahre alt (exakt 81.905 Personen am Stichtag 1.1.2022). Damit gehen individuelle Herausforderungen genauso wie gesellschaftliche und damit gesundheitspolitische einher. An der Österreichischen Interdisziplinären Hochaltrigenstudie (ÖIHS) der Österreichischen Plattform für Interdisziplinäre Alternsfragen nimmt die Steiermark seit 2013 zum dritten Mal teil. Damit wird diese Studie nicht nur zur Trendstudie, die Entwicklungen nach unterschiedlichen Merkmalen, wie Stadt/Land, Mann/Frau dokumentiert, sondern individuelle Entwicklungen auch im Längsschnitt, nach einer Panelstudie, betrachtet.

​ 717 Frauen und Männern im Alter zwischen 80 und 90 Jahren, davon 202 in Wien, 220 in Niederösterreich, 152 in der Steiermark und 143 in Salzburg wurden im Rahmen der ÖIHS III zwischen 2019 und 2022 in ausführlichen persönlichen Interviews in Privathaushalten und Institutionen befragt und untersucht. Zusätzlich wurden noch ergänzende telefonische Interviews sowie auch eine Fokusstudie zum subjektiven Erleben der Covid-19 Pandemie unter hochaltrigen Menschen durchgeführt. An der ÖIHS sind Wissenschaftler:innen aus der Geriatrie, Soziologie, Psychologie, Neurologie, Psychologie und den Pflegewissenschaften beteiligt.

Falsches Bild vom hohen Alter

Ein wichtiges Ergebnis der Studie ist, das gängige Bild vom hohen Alter erweist sich mit Blick auf die tatsächliche Gesundheits- und Lebenssituation vieler hochaltriger Österreicher:innen als falsch. Zwar ist ein Teil der Hochaltrigen von mehr oder weniger gesundheitlichen und funktionalen Einschränkungen betroffen, aber ein großer Teil verfügt über einen guten körperlichen Allgemeinzustand und ist in der Lage, ein weitgehend selbständiges und aktives Leben ohne nennenswerte Unterstützung zu führen. Auch zeichnen sich Hochaltrige durch eine „überwiegend hohe Lebenszufriedenheit“ aus. Das Vorkommen von Depression ist mit einem Anteil von 15 Prozent relativ gering, wobei schwere Depression die Ausnahme darstellt. Auch Einsamkeit findet sich nicht in den Dimensionen (oder auch an den Orten), die vielfach kolportiert wird.

Aktiv und hohe Resilienz

Dem Altersstereotyp des inaktiven hochaltrigen Menschen widerspricht ebenso die ÖIHS-Studie. Die Untersuchten „80 Plus" zeigen einen hohen Grad an Aktivität und Kompensationsfähigkeiten. Diese sind selbstverständlich abhängig vom funktionalen und gesundheitlichen Status. Der relative gute körperliche als auch psychische Zustand darf allerdings nicht über viele altersassozierte Erkrankungen und Einschränkungen hinwegtäuschen. Fast zwei Drittel der Hochaltrigen sind von funktionalen Einschränkungen betroffen und rund drei Viertel leiden unter mehreren chronischen Krankheiten gleichzeitig.

Harninkontinenz

Die ÖIHS widmete sich auch dem bislang wenig erforschten und stark tabuisierten Thema der Harninkontinenz. Das Krankheitsbild ist mit rund einem Drittel der Befragten weit verbreitet, wobei Frauen stärker betroffen sind als Männer. Die Folgen der Harninkontinenz können rasch zu einem Anstieg von Hifsbedürftigkeit, bis hin zur Notwendigkeit der institutionellen Betreuung führen. Strategien zur Verringerung des Pflegebedarfs und dem Verbleib im eigenem Haus müssen, so die Studie, mit gezielter Aufklärung und Bewusstseinsbildung sowie mit präventiven und therapeutischen Maßnahmen einhergehen.

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